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Ärzte sehen Leben von Julian Assange in Gefahr

25.11.2019 12:44 Uhr

Mehr als 60 Ärzte aus acht Ländern sehen das Leben des inhaftierten Wikileaks-Gründers Julian Assange in Gefahr. Assange brauche dringend medizinische und psychologische Hilfe.

In einem am Montag veröffentlichten Brief an die britische Innenministerin Priti Patel warnten sie, Assange benötige dringend medizinische und psychologische Hilfe. Dafür müsse er aus dem Hochsicherheitsgefängnis in Belmarsh südöstlich von London in eine Universitätsklinik verlegt werden. Andernfalls bestünden "ernsthafte Sorgen", dass Assange "im Gefängnis sterben könnte".

"Die medizinische Lage ist dringend. Es gibt keine Zeit zu verlieren", schrieben die Mediziner aus acht Staaten, darunter Deutschland. Assange müsse in einem "gut ausgestatteten" Krankenhaus von Experten behandelt werden. Die Ärzte äußerten Zweifel daran, dass der 48-Jährige fit genug sei für die anstehenden Anhörungen zu der von den USA beantragten Auslieferung. Bei ihrer Einschätzung stützten sie sich nach eigenen Angaben auf Augenzeugenberichte von Assanges Gerichtstermin am 21. Oktober sowie auf einen Bericht des UN-Berichterstatters Nils Melzer.

"Willkür und Missbrauch"

Dass Assange kontinuierlich "Willkür und Missbrauch" ausgesetzt sei, könnte "bald sein Leben kosten", teilte Melzer mit. Die Ärzte, die den Brief gemeinsam verfasst hatten, kommen aus Deutschland, den USA, Australien, Großbritannien, Schweden, Italien, Sri Lanka und Polen. Bei der Anhörung im Oktober - seinem ersten öffentlichen Auftritt seit sechs Monaten - hatte Assange laut Augenzeugen gebrechlich gewirkt. Er schien demnach Schwierigkeiten zu haben, sich an sein Geburtsdatum zu erinnern. Am Ende des Gerichtstermins sagte er Bezirksrichterin Vanessa Baraitser, er habe nicht verstanden, was vor Gericht geschehen sei. Der 48-Jährige klagte zudem über die Bedingungen, unter denen er in Belmarsh festgehalten wird.

Seit April in Haft

Seit April sitzt Assange in Großbritannien eine fast einjährige Haftstrafe wegen Verstoßes gegen Kautionsauflagen ab. Zuvor hatte er sich sieben Jahre lang in der ecuadorianischen Botschaft in London versteckt, um einer Auslieferung nach Schweden wegen der Vergewaltigungsvorwürfe zu entgehen. Die schwedische Justiz hatte vergangenen Dienstag die Ermittlungen gegen Assange wegen mutmaßlicher Vergewaltigung eingestellt.In den USA ist der Wikileaks-Gründer wegen der Veröffentlichung geheimer Dokumente und Verstößen gegen das Anti-Spionage-Gesetz angeklagt. Derzeit läuft das Auslieferungsverfahren dazu in Großbritannien. Im Falle eines Schuldspruchs in allen Anklagepunkten in den USA droht ihm dort lebenslange Haft.

(be/afp)

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