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Amnesty wirft Kroatien Übergriffe gegen Flüchtlinge vor

13.3.2019 15:48 Uhr

Kroatien ist Mitglied der EU. Nun hat die Menschenrechtsgruppe Amnesty International angeprangert, dass das Land Übergriffe von Polizisten gegenüber Flüchtlingen zulässt. Fast 100 Menschen, die befragt wurden, seien auf illegale Weise und ohne Zugang zu einem Asylverfahren ins benachbarte Bosnien-Herzegowina abgeschoben worden, heißt es in dem Bericht, den die Organisation in der Nacht zum Mittwoch veröffentlichte.

Ein Drittel der Befragten gab an, dabei von kroatischen Polizisten misshandelt worden zu sein. "Viele beschrieben, wie sie geschlagen und eingeschüchtert wurden und wie ihnen Reisedokumente und Mobiltelefone gestohlen oder zerstört wurden", heißt es. Es handle sich dabei um Vorgangsweisen, mit denen die kroatischen Behörden Flüchtlinge und Migranten von weiteren Einreiseversuchen über die "grüne" Grenze abschrecken wollen.

Tausende Flüchtlinge sitzen an der Grenze fest

Kroatien hat früher ähnliche Berichte von Menschenrechtlern mit der Begründung zurückgewiesen, dass es lediglich von der im EU-Recht vorgesehenen Praxis der Zurückweisung illegal eingereister Personen Gebrauch mache. Seit der weitgehenden Schließung der Balkanroute, die von Griechenland über Mazedonien, Serbien und Ungarn nach Mitteleuropa führte, hat sich eine alternative Route über Bosnien-Herzegowina, Kroatien und Slowenien etabliert.

Tausende Flüchtlinge und andere Migranten sitzen derzeit in bosnischen Lagern fest, von wo sie versuchen, über die "grüne" Grenze nach Kroatien und dann weiter nach Mitteleuropa zu gelangen. Die Übergriffe von Behörden, denen sie dabei oft ausgesetzt sind, seien aber nicht nur den betroffenen Transitstaaten auf dem Balkan anzulasten, sondern seien auch "eine Folge der umfassenderen EU-Politik (...), die Grenzsicherung zu verstärken und Migrationsprozesse nach außen zu verlagern", heißt es in dem Bericht.

(an/dpa)