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Amnesty entzieht Suu Kyi Ehrentitel "Botschafterin des Gewissens"

13.11.2018 14:24 Uhr

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat Myanmars De-facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi wegen der Rohingya-Krise den Ehrentitel "Botschafterin des Gewissens" entzogen. In einem am Montag veröffentlichten Brief an Suu Kyi zeigte sich Amnesty-Generalsekretär Kumi Naidoo enttäuscht über die augenscheinliche "Gleichgültigkeit" der Friedensnobelpreisträgerin gegenüber den Gräueltaten des Militärs gegen die muslimische Minderheit in ihrem Land.

Die Regierung Myanmars verurteilte die Entscheidung der Menschenrechtsorganisation am Dienstag. "Heute sind wir zutiefst bestürzt, dass Sie nicht länger ein Symbol der Hoffnung, des Mutes und der unermüdlichen Verteidigung der Menschenrechte sind", schrieb Naidoo an die 73-Jährige. "Amnesty International kann Ihren weiteren Status als ´Botschafterin des Gewissens´ nicht rechtfertigen und deshalb entziehen wir Ihnen hiermit mit großem Bedauern diesen Titel."Amnesty hatte Suu Kyi im Jahr 2009 den Ehrentitel "Botschafterin des Gewissens" verliehen, die höchste Auszeichnung der Menschenrechtsorganisation. Damals stand die langjährige Oppositionsführerin noch unter Hausarrest.

Mit dem Titel "Botschafter des Gewissens" waren in der Vergangenheit unter anderen der inzwischen verstorbene südafrikanische Freiheitskämpfer und Präsident Nelson Mandela sowie der chinesische Künstler Ai Wei Wei geehrt worden. Wegen des brutalen Vorgehens von Myanmars Militär gegen die muslimische Minderheit der Rohingya wird die einstige Freiheitsikone Suu Kyi international scharf kritisiert. Kanada entzog Suu Kyi kürzlich die Ehrenstaatsbürgerschaft.

Suu Kyi schützte eher das Militär als die Rohingya

Amnesty räumte zwar ein, dass die zivile Regierung in dem Land nicht die Kontrolle über das Militär habe. Suu Kyi und ihr Büro hätten sich aber schützend vor die Sicherheitskräfte gestellt, Berichte über Menschenrechtsverletzungen relativiert und internationale Ermittlungen behindert. Der Sprecher von Suu Kyis Partei Nationale Liga für Demokratie (NLD), Myo Nunt, sagte der Nachrichtenagentur AFP, Amnestys Vorstoß verletze die "Würde" nicht nur der De-facto-Regierungschefin, sondern aller NLD-Mitglieder. "Alle diese Organisationen arbeiten für die Bengalis, die das Land verließen, um eine Staatsbürgerschaft zu bekommen", fügte der Sprecher hinzu und verwendete dabei eine diskriminierende Bezeichnung für die Rohingya. Der Vize-Informationsminister Aung Hla Tun, äußerte sich betrübt und enttäuscht über die Entscheidung der Menschenrechtsorganisation. Die "unfaire" Behandlung Suu Kyis werde dazu beitragen, "dass die Menschen sie noch mehr lieben".

Die muslimische Minderheit der Rohingya wird im ehemaligen Birma seit Jahrzehnten unterdrückt und verfolgt. Die Lage eskalierte im August vergangenen Jahres, nachdem Rohingya-Rebellen bei Angriffen mehrere Grenzwächter getötet haben. Das Militär in dem mehrheitlich buddhistischen Land reagierte mit brutaler Gegengewalt - mehr als 700.000 Menschen flohen ins Nachbarland Bangladesch. UN-Ermittler sprechen von Völkermord.

(an/afp)