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Altes Haus kaufen oder sanieren - lohnt sich das?

17.1.2020 10:54 Uhr

Angesichts der stetig steigenden Mietpreise, erwägen viele Familien in Deutschland, sich anstelle eines teuren Neubaus ein günstiges altes Haus zu kaufen und anschließend zu sanieren. Allerdings muss im Einzelfall geprüft werden, ob es sich dabei tatsächlich um die billigere sowie sinnvollere Variante handelt.

Die Immobilienpreise befinden sich in vielen deutschen Regionen derzeit auf einem Rekordhoch und ein Ende dieser Entwicklung ist bislang nicht in Sicht. Obwohl also viele Experten schon seit mehreren Jahren von einer Blase sprechen, scheint diese in absehbarer Zukunft nicht zu sinkenden Miet- und Kaufpreisen für Immobilien zu sorgen. Die hohen Kaufpreise sind jedoch mit ein Grund dafür, weshalb sich viele Menschen ein Eigenheim wünschen. Wenn sie schon jeden Monat viel Geld für das Wohnen zahlen, so möchten sie es zumindest in ein Eigenheim investieren. Schließlich mangelt es aktuell ebenfalls an attraktiven Alternativen für die Geldanlage.

Neubauten als teuerste Immobilienwahl

Ein neues Haus zu kaufen oder selbst zu bauen bringt natürlich viele Vorteile mit sich. Es kann an die eigenen Vorstellungen angepasst werden und bedarf in den ersten Jahren oder sogar Jahrzehnten erst einmal keiner größerer Reparaturen, Instandhaltungsmaßnahmen oder anderer in Investitionen. Dennoch sind es gerade die Neubauten, welche besonders teuer und damit für immer mehr Familien unbezahlbar sind. Rein auf den Quadratmeter gerechnet, kosten diese bis zu 50 Prozent mehr als eine Bestandsimmobilie. Allerdings müssen bei dieser Rechnung natürlich auch die Qualitätsunterschiede sowie Folgekosten berücksichtigt werden. Dennoch bleiben Neubauten unterm Strich meist zehn bis 20 Prozent teurer als ein bestehendes Haus.

Alte Häuser sanieren: Die Vorteile

Tatsächlich kann es also kostengünstiger sein, eine Bestandsimmobilie zu kaufen. Einige dieser Häuser sind ohnehin in einem so guten Zustand, dass zumindest vorerst keine Sanierungs- oder Modernisierungsarbeiten notwendig werden. In den meisten Fällen müssen oder möchten die Bauherren aber dennoch Veränderungen an ihrer Immobilie vornehmen. Prinzipiell gilt: Je schlechter der Zustand des Gebäudes, umso günstiger. Manchmal hat das Haus selbst sogar überhaupt keinen Wert mehr, sondern die Käufer müssen lediglich das Grundstück bezahlen. Dann werden aber natürlich Investitionen in einen Abriss sowie Neubau oder alternativ grundlegende Sanierungsarbeiten fällig. Das bringt folgende Vorteile mit sich:

  • Die Käufer erhalten ein Grundstück sowie je nach individuellem Fall ein mehr oder weniger gut erhaltenes Haus für den minimalen Preis.
  • Dadurch muss nur ein geringerer Kreditbetrag aufgenommen werden, was wiederum die Kreditnebenkosten senkt.
  • Weiterhin haben die neuen Eigentümer nun Gestaltungsfreiheit, wenn es um die Sanierung des Hauses geht. Sie können es also nach ihrem eigenen Geschmack um- oder ausbauen und genießen somit vergleichbare Vorteile zu einem Neubau.
  • Viele Sanierungsmaßnahmen werden staatlich gefördert, wodurch das Sanieren von alten Häusern einen großen Kostenvorteil gegenüber dem Kauf eines Neubaus bedeutet.
  • Das Endergebnis ist dennoch prinzipiell dasselbe: Ein modernes Haus auf dem neuesten Stand, zum Beispiel hinsichtlich der Energieeffizienz oder sogar als Smart Home.

Ein wichtiger Vorteil ist außerdem, dass das Sanieren eines alten Hauses mit einem großen Eigenleistungsanteil geschehen kann. Wer handwerklich versiert ist, kann dieses sogar vielleicht vollständig selbst übernehmen. Einzige Ausnahme sind gefährliche Tätigkeiten, die nur von Profis ausgeführt werden sollten. Dazu zählt zum Beispiel das Verlegen von Elektrik und Wasser, aber auch das Eindecken des Dachs. Muss dieses ohnehin erneuert werden, bietet sich die Modernisierung mittels Sandwichpaneelen, Trapezblechen und Metalldachpfannen an. Das garantiert nicht nur ein Maximum an Qualität, sondern geht auch vergleichsweise einfach, als auch schnellund damit kostengünstig. Weiterhin ist in den meisten Fällen eine neue Dämmung notwendig oder sinnvoll, sodass das alte Gebäude in ein Energieeffizienzhaus umgewandelt werden kann, was weitere Kostenvorteile bringt. Für solche Maßnahmen muss aber natürlich ein entsprechendes Budget eingerechnet werden.

Mögliche Nachteile und Hindernisse

Wer hingegen nicht in der Lage ist, selbst zumindest einige der anfallenden Sanierungs- oder Modernisierungsarbeiten zu übernehmen, ist auf Handwerker angewiesen. Das bedeutet gleich zwei mögliche Hindernisse: Einerseits herrscht ein Handwerkermangel, was zu langen Wartezeiten führen kann. In dieser Zeit ist das Haus möglicherweise unbewohnbar, sodass weiterhin Miete für ein anderes Objekt gezahlt werden muss. Andererseits ist es nicht immer einfach, die Kosten für Handwerker im Voraus realistisch zu kalkulieren. In der Kalkulation besteht ohnehin das größte Risiko, wenn es um den Kauf und die Sanierung eines alten Hauses geht. Für Laien ist also nur schwer ersichtlich, in welchem Zustand sich das Gebäude tatsächlich befindet, welche Sanierungsmaßnahmen dementsprechend in den kommenden Jahren notwendig werden und wie hoch dafür die Kosten sind.

Ein Gutachten erstellen zu lassen, ist daher der wichtigste Schritt, wenn sich Interessenten für diesen Weg entscheiden. Nur so können sie die Kosten des Hauskaufs in Gänze, sprich die Kauf- und Sanierungskosten, abschätzen, um eine Entscheidung zu treffen. Im Gegensatz dazu ist ein Neubau quasi schlüsselfertig. Er wird zum verhandelten Preis gekauft und verursacht anschließend neben den laufenden keine Zusatzkosten mehr – zumindest im besten Fall. Das Risiko von bösen Überraschungen in finanzieller Hinsicht ist somit deutlich geringer. Zudem braucht eine Sanierung auch schlichtweg Zeit und bedeutet eine Menge Aufwand. Nicht jeder kann oder will das leisten.

Fazit

Schlussendlich lässt sich nicht pauschal sagen, welche die bessere Entscheidung ist. Rein aus finanzieller Sicht, ist der Kauf und die Sanierung eines alten Hauses aber tatsächlich häufig die sinnvollere Wahl. Das gilt vor allem dann, wenn die Käufer zu einem hohen Maß an Eigenleistungen bereit sowie in der Lage sind. Wer jedoch nur wenig Zeit investieren möchte, kann auch über den Kauf einer sanierten Bestandsimmobilie oder einer in einem sehr guten Zustand nachdenken. Der Kaufpreis liegt dann irgendwo in der Mitte und damit häufig immer noch deutlich unter jenem für einen Neubau. Auch dann ist allerdings ein Gutachten vor dem Kauf zu empfehlen.

(Hürriyet.de)

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