afp

Algerien verlegt Semesterferien vor um Proteste auszubremsen

9.3.2019 16:32 Uhr

Not macht erfinderisch - das gilt wohl auch für Regierungen. Die Regierung in Algerien sieht sich seit Wochen Protesten von Studenten ausgesetzt, die gegen eine erneute Kandidatur von Präsident Abdelaziz Bouteflika richten. Nun verlegt Algerien die Semesterferien vor und das wohl in der Hoffnung, die Studenten dadurch mundtot zu machen. Geht der Plan auf?

Angesichts der Studentenproteste gegen Präsident Abdelaziz Bouteflika hat Algeriens Regierung kurzfristig den Beginn der Semesterferien vorgezogen. Sie sollen nun bereits am Sonntag beginnen, elf Tage früher als zunächst geplant, teilte das Hochschulministerium am Samstag in Algier mit. Viele Studenten dürften dadurch gezwungen werden, den Campus zu verlassen. Die Ferien dauern bis 4. April. Algeriens Universitäten sind Hochburgen des Protests gegen Bouteflika.

Werden die Campusschließungen für Ruhe sorgen?

In Algerien ist es üblich, dass Studentenwohnheime während der Semesterferien schließen. Viele Studenten reisen dann zurück in ihre Heimatorte abseits der großen Städte. Nach offiziellen Angaben studieren derzeit in Algerien mehr als 1,7 Millionen Menschen, 630.000 von ihnen leben in Wohnheimen. Die Menschen in Algerien protestieren seit Tagen gegen eine fünfte Amtszeit Bouteflikas. In Algier hatten am Dienstag erneut tausende Studenten der verschiedenen Hauptstadt-Universitäten demonstriert und den Rückzug des 82-jährigen Präsidenten gefordert. Sie riefen Parolen wie "Hey Bouteflika, es wird kein fünftes Mandat geben".

Der Präsident regiert das nordafrikanische Land seit fast 20 Jahren und will bei der Wahl am 18. April erneut kandidieren, obwohl er sich seit einem Schlaganfall vor sechs Jahren weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hat und im Rollstuhl sitzt. Derzeit befindet er sich in einer Genfer Klinik.

(ce/afp)