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Afroamerikaner kommt aus Todeszelle frei

17.12.2019 18:17 Uhr

Der Fall des Afroamerikaners Curtis Flowers fügt sich nahezu nahtlos ins Bild ein, dass sich angesichts des Falles um den heute in Deutschland angekommenen Jens Söring vom US-Justizsystem zeichnet. Flowers saß 23 Jahre in Haft und durchlief sechs Mordprozesse, wobei er im sechsten und letzten Prozess zum Tode verurteilt wurde. Flowers beteuerte stets seine Unschuld und es gab eine Vielzahl von gekippten Verfahren aufgrund von eklatanten Verfahrensfehlern. Darum wurde er jetzt gegen Kaution aus der Todeszelle entlassen.

Ein Afroamerikaner, der wegen eines Vierfachmords sechs Mal vor Gericht stand und schließlich zum Tode verurteilt wurde, ist unter Auflagen aus dem Gefängnis freigelassen worden. Ein Richter gab am Montag einem Bewährungsantrag des Anwalts von Curtis Flowers statt, wie aus Gerichtsunterlagen hervorgeht. Flowers muss allerdings eine elektronische Fußfessel tragen und eine Kaution von 250.000 Dollar (224.000 Euro) zahlen. Der 49-Jährige, der fast 23 Jahre lang im Gefängnis saß, hat stets seine Unschuld beteuert.

"Double Jeopardy" (Mehrfachanklage wegen des gleichen Delikts) in den USA eigentlich nicht statthaft

Im Juli 1996 waren in einem Möbelgeschäft in Winona im Bundesstaat Mississippi vier Menschen erschossen worden. Flowers hatte vor dem Mord kurz in dem Laden gearbeitet. Zwei Zeugen gaben an, ihn in der Nähe des Tatorts gesehen zu haben. Flowers wurde verhaftet und sechs Mal vor Gericht gestellt. Immer war der weiße Bezirksstaatsanwalt Doug Evans für den Fall verantwortlich und immer waren die Geschworenen fast ausschließlich weiß.

Nach US-Recht darf ein Angeklagter eigentlich nicht zwei Mal für dieselbe Tat verurteilt werden - doch in Flowers' Fall war dies möglich, da es nie zu einem rechtskräftigen Urteil kam: In drei Prozessen wurde er schuldig gesprochen, ein Berufungsgericht kippte die Urteile aber wegen Fehlern der Anklage. In den zwei weiteren Prozessen konnten sich die Geschworenen nicht einigen. In seinem sechsten Prozess im Jahr 2010 wurde Flowers zum Tode verurteilt.

Der Oberste Gerichtshof der USA hob das Todesurteil im Juni aber auf, weil der Bezirksstaatsanwalt mit dem systematischen Ausschluss schwarzer Geschworener gegen die Verfassung verstoßen habe. Das Gericht befasste sich allerdings nicht mit der Frage, ob Flowers schuldig oder unschuldig ist. Die Justizbehörden in Mississippi haben noch nicht entschieden, ob sie einen siebten gegen Flowers anstrengen. Bis dahin bleibt er nun aber auf freiem Fuß. Flowers' Fall war durch den Podcast "In the Dark" (Im Dunkeln) landesweit bekannt geworden.

(ce/afp)

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