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Woran erkennen Sie einen Herzinfarkt?

21.12.2018 14:07 Uhr

Gastbeitrag von Doz. Dr. Yaşar Bilgin

Das Herz ist ein muskulöses Organ, das die Aufgabe hat, den Körper und die sonstigen Organe des Menschen mit Blut zu versorgen. Um dies zu gewährleisten pumpt das Herz regelmäßig und ohne Pausen Blut durch den Körper, welches durch die Gefäße verteilt wird. Hierfür benötigt das Herz auch eine Versorgung mit Blut, die durch drei Gefäße gewährleistet wird, die direkt von der Hauptschlagader zum Herzen führen.

Kleines Gewicht, große Leistung

Während der gesamten Lebenszeit pumpt das menschliche Herz rund 3 Milliarden mal und befördert so ca. 250 Millionen Liter Blut. Mit einem Gewicht von rund 300 Gramm macht es nur 0,5 Prozent des menschlichen Körpers aus, befördert pro Minute aber 5 Liter Blut und unter körperlicher Belastung sogar bis zu 25 Liter. Die Blutversorgung ist dabei abhängig davon, wie stark das Herz beansprucht wird. Bei hoher körperlicher Belastung brauchen die Muskeln des Körpers mehr Sauerstoff, der durch das Blut zu den Zellen transportiert wird. Das Herz muss mehr und schneller pumpen, um dies zu gewährleisten. Dadurch benötigt auch das Herz mehr Sauerstoff und Nährstoffe, muss deshalb mit mehr Blut versorgt werden.

Durch Gefäßveränderungen können Schmerzen in der Herzgegend auftreten. (Photo:Science Photo Library)

Herzkranzgefäße verändern sich im Laufe der Zeit

Gegenüber den anderen Organen, besitzt das Herz die größte Blutversorgung. Rund 5 Prozent des vorhandenen Blutes benötigt das Herz um seine Funktion aufrecht halten zu können. Bei körperlicher Belastung steigt dies auf rund 25 Prozent der verfügbaren Blutmenge an. Die Gefäße, die das Herz versorgen, sind wie die anderen Blutgefäße auch aufgebaut und im Laufe der Jahre kann es geschehen, dass diese Gefäße sich verändern und verkalken. Dadurch verringert sich der Durchmesser der Gefäße und es kann nicht genügend Blut zum Herz transportiert werden.

Symptome bei verminderter Blutversorgung des Herzens

Es können entweder bei den Organen, die mit Blut versorgt werden, oder beim Herzen selber, Beschwerden auftreten. Treten diese bei den Organen auf, kann Schwindel, Luftnot oder eine allgemeine körperliche Schwäche entstehen. Die auftretenden Symptome werden häufig bei körperlicher Belastung bemerkt. Das Herz muss dann in höherer Leistung seiner Pumpfunktion nachkommen und erhält aber selber zu wenig Blut, durch die Gefäßveränderungen. Es treten Schmerzen in der Herzgegend auf, die auch in den linken Arm, in den Kieferbereich oder auch in den Bauchraum ausstrahlen können.

Risiko steigt ab dem 40. Lebensjahr

Die Schmerzen fühlen sich wie ein Druckgefühl oder auch brennend an. Sie lassen im Ruhezustand nach und verschwinden wieder ganz. In diesem Fall sprechen wir von einem Angina pectoris. Evtl. kann es auch zu einer Luftnot kommen, da auch die Lunge mit zu wenig Blut versorgt wird und ihrer Funktion nicht nachkommen kann. Diese Symptome können auch entstehen, wenn man von der Wärme in die Kälte kommt und sehr kalte Luft einatmet. Wenn bei Personen, besonders ab dem 40. Lebensjahr und unter Belastung, die Symptome erstmalig auftreten, sollte man dies auf jeden Fall vom Facharzt untersuchen lassen, um die Entstehung von ernsten Komplikationen vermeiden zu können.

Schmerzen ohne Belastung haben andere Ursachen

Viele Menschen haben stechende Schmerzen, die nur beschränkt auf die Herzgegend im linken Körperbereich vorkommen. Wenn sie ohne Belastung über längeren Zeitraum immer wieder auftreten, haben sie meist eine andere Ursache als eine Herzerkrankung. Trotzdem muss man dies ärztlich abklären lassen, besonders wenn diese Beschwerden zunehmen oder häufiger auftreten.

Bei Druckgefühl, kaltem Schweiß und Luftnot sofort handeln

Verschließt sich eines der Gefäße, die das Herz mit Blut versorgen, vollständig, entsteht ein Herzinfarkt. Die dabei auftretenden Schmerzen sind langfristig, verbunden mit einem Druckgefühl, kaltem Schweiß und evtl. einer Luftnot. Teile des Herzmuskels können dann nicht mehr mit Blut versorgt werden und sind größere Areale davon betroffen, kann dies tödlich verlaufen. Hier ist eine sofortige ärztliche Hilfe notwendig.

Was sind die persönlichen Risikofaktoren?

Um eine Veränderung der Herzgefäße zu vermeiden oder einen Herzinfarkt zu verhindern, ist es wichtig, seine persönlichen Risikofaktoren hierfür zu kennen. Nikotingenuss, Übergewicht, hoher Blutzuckerspiegel und Bluthochdruck können Auslöser dafür sein. Die moderne Medizin bietet aber inzwischen eine Reihe von Möglichkeiten, um dies individuell behandeln zu können. Neben Medikamente kann man auch bereits verengte Herzgefäße wieder weiten oder einen Bypass legen und so verhindern, dass es zu einem lebensbedrohenden Herzinfarkt kommt. Nicht zu vergessen ist, dass in Deutschland jährlich 353.000 Menschen an den Folgen von Herz-Kreislauf Erkrankungen sterben, europaweit liegt diese Zahl bei vier Millionen.

Belastungs-EGK wird empfohlen

Deswegen empfehlen wir Menschen, die entsprechende Risikofaktoren haben, beim Facharzt ein Belastungs-EGK machen zu lassen, wenn hierfür keine Kontraindikation vorliegt. Dies dient zur Abklärung einer Herzerkrankung und ist die Grundlage, um eine entsprechende Behandlung vornehmen zu können. Um eine Herzerkrankung auszuschließen, ist es ratsam, seine Risikofaktoren abzuschätzen und gegebenenfalls zu behandeln. Der Facharzt kann Sie individuell beraten, um die Entstehung eines Herzinfarktes zu verhindern.

Doz. Dr. Yaşar Bilgin
Türkisch - Deutsche Gesundheitsstiftung

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