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Abschiebung von Schwerkriminellen nach Syrien möglich

5.12.2019 19:20 Uhr

Abschiebungen nach Syrien werden in der Zukunft eine Option sein, wenn es sich um Schwerkriminelle handelt. Darauf haben sich die Innenminister der Länder bei ihrer Innenministerkonferenz geeinigt. Bisher gibt es einen Abschiebestopp, wenn es um Rückführungen von Kriminellen nach Syrien geht. Das soll nun gelockert werden. Grundvoraussetzungen sollen schwere Straftaten bei Abschiebekandidaten und ein eingehendes Prüfungsverfahren sein.

Die Innenminister der Länder wollen sich einhellig dafür aussprechen, den für Syrien geltenden Abschiebestopp im Fall von Schwerkriminellen zu lockern. Das berichtete der schleswig-holsteinische Innenminister Hans-Joachim Grote (CDU) am Donnerstag am Rande der derzeit in Lübeck tagenden Innenministerkonferenz. Die Ressortchefs von Bund und Ländern beraten dort bis Freitag auch über den Kampf gegen Rechtsextremismus und Hassreden im Internet.

Freitag werden die Abschiebungsoptionen beschlossen

"Wir wollen das morgen abschließend beschließen", sagte Grote als Gastgeber zu dem Vorschlag zur Abschiebung von erheblich straffällig gewordenen Flüchtlingen aus Syrien. Nach seinen Angaben wäre dies in der Praxis aber auch mit sehr hohen Hürden verbunden. "Es gibt momentan in Syrien für uns keine Ansprechpartner." Er betonte zudem zugleich, der generelle Abschiebestopp für das Bürgerkriegsland solle erneut verlängert werden.

Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) forderte ein koordiniertes Vorgehen gegen Hassreden im Internet. Zusammenarbeit und Datenaustausch zwischen Polizei und Verfassungsschutzämtern müssten verbessert werden, sagte er am Donnerstag im ZDF-"Morgenmagazin". Bislang könnten die deutschen Sicherheitsbehörden nur "ungeheuer schwierig ermitteln, wer dahintersteckt".

Die Linke übt scharfe Kritik

Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) sprach sich für einen verstärkten bundesweiten Datenaustausch über Rechtsextremisten zwischen den Behörden aus. "Was bei Gefährdern schon alltäglich ist, muss künftig bei allen rechtsmotivierten Straftätern automatisch erfolgen", erklärte Beuth. Wenn Rechtsextremisten umzögen oder über Grenzen hinweg agierten, müssten Bund und Bundesländer schnell ihre Informationen austauschen.

Scharfe Kritik an den Überlegungen der Innenminister zu Abschiebungen von Straftätern nach Syrien kam von der Linken im Bundestag und der Flüchtlingsorganisation Pro Asyl. Linken-Innenexpertin Ulla Jelpke bezeichnete die Idee unter Verweis auf die Lage in dem Land als "wahnwitzig". Pro Asyl nannte die Diskussion "unverantwortlich". Öffentliche Äußerungen verschiedener Innenminister zum Thema seien zudem widersprüchlich.

Sowohl Linke als auch Pro Asyl warnten zugleich, die Abschiebung von Schwerkriminellen sei mutmaßlich nur der Beginn einer Lockerung des Abschiebestopps, die allmählich immer mehr Menschen betreffen werde. Ähnlich sei bereits im Fall Afghanistan verfahren worden. "Auch bei Afghanistan wurde mit der Abschiebung von Straftätern, für die niemand Sympathie hat, begonnen, um dann Zug um Zug Abschiebungen auszudehnen", erklärte Pro Asyl dazu.

(ce/afp)

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