Symbolbild: imago images/Michael Trammer

Abschiebeflug in Kabul eingetroffen

15.1.2020 16:37 Uhr

Am Mittwoch sind in der afghanischen Hauptstadt Kabul ein Flugzeug mit abgeschobenen Migranten aus Deutschland eingetroffen. Es seien 37 Männer vom Flughafen München nach Afghanistan zurückgeführt worden, teilte das Bundesinnenministerium in Berlin auf Anfrage mit.

Unter ihnen seien 20 Straftäter. Das Spektrum der Straftaten umfasse unter anderem Totschlag, sexuellen Missbrauch von Kindern, gefährliche Körperverletzung, Diebstahl, Sachbeschädigung und Handel mit Betäubungsmitteln.

An der Abschiebung beteiligten sich demnach Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Hamburg, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein und Thüringen. Es war die 31. Sammelabschiebung seit Dezember 2016. Damit haben Bund und Länder 837 Männer nach Afghanistan zurückgebracht.

Obergrenze von 50 Passagieren pro Flug

Im Jahr 2019 wurden 361 Männer nach Afghanistan zurückgebracht, 2018 waren es 284. Pro Flug waren dies im Durchschnitt 33 beziehungsweise 26 Männer. Laut afghanischem Flüchtlingsministerium ist mit Deutschland eine Obergrenze von 50 Passagieren pro Abschiebeflug vereinbart. Üblicherweise landet jeden Monat ein Flug in Kabul.

Einer der am Mittwoch abgeschobenen Männer ist Ahmad Dschaffari. Er sagt, er sei 2015 mit seiner Frau in Deutschland angekommen und habe sich legal im Land aufgehalten. Später sei er wegen einer «Kleinigkeit» im Gefängnis gelandet und nun nach sieben Monaten abgeschoben worden. Seine Frau und drei Kinder seien weiter in Deutschland. Wo er nun hingehe, wisse er nicht. Er habe kein Ziel. Er stamme aus der westlichen Stadt Herat, wo noch Familienmitglieder von ihm lebten. «Ich habe aber nicht den Mut, zu ihnen zu fahren», sagt er. Er habe keine Antworten für sie, warum er nun wieder hier sei.

Abschiebungen nach Afghanistan sind angesichts des andauernden Krieges gegen die militant-islamistischen Taliban und die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) umstritten. Im Spätsommer hatte die Zahl der zivilen Opfer im Afghanistankrieg einen neuen Höchststand erreicht. Insgesamt seien in den vergangenen zehn Jahren mehr als 100 000 Zivilisten getötet oder verletzt worden, sagte der Chef der UN-Mission in Afghanistan, Tadamichi Yamamoto, Ende Dezember.

Verheerende Folgen für Zivilisten

Im Vorjahr waren in Afghanistan auch erneut wieder mehr Menschen innerhalb des Landes vor Kämpfen und Gefechten aus ihren Dörfern und Städten geflohen. UN-Angaben zufolge stieg die Zahl der Binnenflüchtlinge 2019 im Vergleich zum Vorjahr um rund elf Prozent auf mehr als 426 000 Menschen.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch kritisierte in ihrem am Dienstag veröffentlichten Jahresbericht die «verheerenden» Folgen des Konflikts für Zivilisten. «Im Zuge der anhaltenden Kämpfe haben alle Konfliktparteien in Afghanistan das Kriegsrecht offen missachtet und entsetzlichen zivilen Schaden angerichtet», wird Patricia Gossman, stellvertretende Asien-Direktorin bei Human Rights Watch, in einer Aussendung zitiert.

Die USA und Vertreter der Taliban hatten Anfang Dezember Gespräche über eine politische Lösung des Konflikts nach einem Abbruch im September wieder aufgenommen. Aktuell pausieren sie US-Angaben zufolge, damit die Taliban über Forderungen der USA über eine Reduzierung der Gewalt beraten können. Es gibt allerdings Berichte über inoffizielle Treffen. Eine umfassende Waffenruhe lehnen die Islamisten weiter ab.

(an/dpa)

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