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95-Jähriger fährt mit Bus zu Anti-Rassismus-Protest

27.3.2019 15:56 Uhr

Der 95-jährige John Sato konnte einfach nicht zuhause bleiben: Mit dem Bus machte er sich auf zu einem Anti-Rassismus-Protest - und rührte die Menschen zu Tränen. Es war ohne Frage eine der berührendsten Momente bei dem Protest in Aucklands Aotea Square am Sonntag (25. März), wie die neuseeländische Seite RadioNZ berichtete.

John Sato erschien - mit der Hilfe eines Polizisten und eines Helfers - um seine Unterstützung für die muslimische Gemeinschaft zu zeigen und ein Zeichen gegen Rassismus zu setzen. Er musste vier Mal umsteigen, um es aus einem kleinen Vorort bis ins Zentrum der neuseeländischen Stadt Auckland zu schaffen.

Aus der Vorstadt zum Protest

Normalerweise spaziert der 95-Jährige gerne durch seine Nachbarschaft oder hört im Radio klassische Musik. Doch als er von dem Anschlag auf die zwei Moscheen in Christchurch hörte, die 50 Menschenopfer forderten, konnte er nicht mehr ruhig schlafen. "Ich konnte nachts nicht mehr schlafen. Ich war so traurig. Man kann das Leiden anderer Menschen spüren", sagte Herr Sato. Er selbst bezeichnet sich als Eurasier, seine Mutter stammte aus Schottland, sein Vater aus Japan.

John Sato war einer von zwei neuseeländisch-japanischen Soldaten, die im zweiten Weltkrieg gegen Japan antraten.

"[Der Anschlag] war so eine Tragödie - aber es hat auch eine andere Seite. Es hat Menschen zusammengebracht, ganz gleich, welcher Abstammung. Die Menschen haben plötzlich begriffen, dass wir alle Eins sind. Wir kümmern uns um einander."

Als er von den Schweigeminuten und Protesten gegen Rassismus hörte, wollte er zunächst eine Moschee in seiner Nähe besuchen, um seine Unterstützung zu zeigen - doch es sollte nur der Beginn einer längeren Tour für den 95-Jährigen werden.

Mit dem Bus zur Andacht

Erst fuhr John Sato von seinem Heimatort Howick nach Pakuranga, wo er den Anschlagsopfern gedachte. Doch dann entschied er sich, zu dem großen Protest in der Innenstadt aufzubrechen. Drei Bus-Fahrten später erreichte er die Innenstadt Aucklands und schloss sich dem Anti-Rassismus-Protest am Sonntag an.

Als John Sato bei dem Protest ankam, überrollte ihn eine Welle der Zuneigung. "Alle waren so nett. Ein Polizist gab mir Wasser und fuhr mich später nach Hause. Die Tragödie in Christchurch, schauen Sie, was sie bewirkt hat: Das Beste in den Menschen hat sie hervorgebracht". Das Leben sei zu kurz, um es mit bedeutungslosen Dingen wie Hass zu verschwenden. "Wir alle gehen im Leben durch harte Prüfungen und machmal lassen uns Ereignisse verständnisvoller werden ... hoffe ich.", sagte ein müder, aber lächelnder John Sato, als er wieder in seinem Zuhause in Howick ankam.

(be)