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75 Jahre Attentat auf Adolf Hitler

20.7.2019 14:58 Uhr

Unter den Männern und Frauen, die im Widerstand gegen Adolf Hitler ihr Leben riskierten waren die wenigsten Demokraten im heutigen Sinne. Vor allem in bürgerlichen Kreisen, im Adel und unter den Offizieren der Reichswehr gab es viele, die mit den neuen Machthabern zunächst auch Hoffnungen verbanden - etwa mit Blick auf die Überwindung des ungeliebten Vertrags von Versailles.

Darüber, ob die Angehörigen des militärischen Widerstandes heute trotzdem zum Vorbild taugen oder nicht, ist jetzt - 75 Jahre nach dem misslungenen Attentat im Führerhauptquartier Wolfsschanze - eine neue Debatte entbrannt. Befeuert wird dieser Streit von mehreren neuen Publikationen, die sich vor allem mit der Motivation von Claus Schenk Graf von Stauffenberg auseinandersetzen, dem Oberst, der am 20. Juli 1944 einen Sprengsatz zündete, um Hitler zu töten. Ging es Stauffenberg darum, eine bedingungslose Kapitulation zu verhindern oder gar um die eigene heroische Tat? Handelte er, der als ranghoher Militär viel wissen musste über die Verbrechen des Regimes, aus religiöser Überzeugung und Verantwortungsgefühl?

Das Attentat misslang. Der Diktator überlebte. Stauffenberg und seine Mitverschwörer wurden hingerichtet. Die Gestapo fand bei ihren Ermittlungen heraus, dass die Verschwörer auch Kontakte zu anderen Widerstandsgruppen außerhalb des Militärs unterhalten hatten. Dennoch setzte sich die von Hitler damals in einer Rundfunkansprache gemachte Behauptung, hinter dem Attentat habe nur eine "kleine Clique" von Offizieren gesteckt, in vielen Köpfen fest. Die Verschwörer des 20. Juli wurden vielleicht auch deshalb in den ersten zwei Jahrzehnten nach dem verlorenen Weltkrieg von vielen Deutschen immer noch als "Verräter" angesehen. Das änderte sich erst allmählich.

Akteure des 20. Juli Vorbilder

Für Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sind die Akteure des 20. Juli Vorbilder, denen Dank gebührt. In ihrem allwöchentlichen Video-Podcast sagte sie am vergangenen Wochenende: "Sie haben gezeigt, dass sie ihrem Gewissen folgen, und damit haben sie einen Teil der Geschichte Deutschlands geprägt, der ansonsten durch die Dunkelheit des Nationalsozialismus bestimmt war."

Auch für das Traditionsverständnis der Bundeswehr hat der militärische Widerstand bis heute große Bedeutung. Denn wie Stauffenberg, Generalmajor Henning von Tresckow und andere Militärs, die dem verbrecherischen NS-Regime den blinden Gehorsam verweigerten, so sollen auch die Soldaten der Bundeswehr als Bürger in Uniform selbst denken und nicht blind Befehlen folgen.

Von den Geschwister Scholl bis zu Georg Elser

Doch wer den Fokus zu stark auf die Verschwörer aus den Reihen der Wehrmacht richtet, verliert leicht die anderen aus dem Blick, deren Schicksale die Berliner Gedenkstätte im Berliner Bezirk Tiergarten auch dokumentiert, Sophie Scholl und die Weiße Rose, das Widerstands-Netzwerk, dem die Nationalsozialisten den Namen "Rote Kapelle" gaben, der Arbeiter Georg Elser, der schon 1939 eine Bombe gezündet hatte, die Hitler töten sollte, und viele mehr.

Knapp zwei Wochen vor dem 75. Jahrestag lud die Berliner Bertelsmann-Repräsentanz den Leiter der Berliner Gedenkstätte Deutscher Widerstand, Johannes Tuchel, zum Streitgespräch mit Thomas Karlauf ein. Karlaufs Biografie "Stauffenberg. Porträt eines Attentäters" hatte zuletzt für einigen Wirbel gesorgt. Tuchel hielt Karlauf, der in seinem Buch den großen Einfluss des 1933 verstorbenen Dichters Stefan George auf Stauffenberg betont, entgegen, der spätere Attentäter sei sehr wohl "ein politischer Kopf" gewesen.

(an/dpa)

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