dpa

47 Migranten dürfen in Italien an Land

20.5.2019 8:06 Uhr

Gegen den Willen von Innenminister Matteo Salvini durften 47 Migranten von dem privaten deutschen Rettungsschiff "Sea-Watch 3" an Land gehen. Das Rettungsschiff hingegen wurde vorerst beschlagnahmt.

"Die Häfen sind offen! Die Italienischen Behörden haben die Anlandung unserer verbliebenen Gäste erlaubt", schrieb Sea-Watch auf Twitter. "Wir sind froh, dass die Verfassung in Italien mehr Macht hat, als ein Minister, der laut UN das Recht bricht. Unser Dank gilt der italienischen Bevölkerung", erklärte die Hilfsorganisation.

Die Zeitung "La Repubblica" zeigte Videobilder, wie Migranten von einem Boot der Polizei aus am Abend im Hafen von Lampedusa an Land gingen. Sie waren zuvor von der "Sea-Watch 3", die vor Lampedusa vor Anker lag, auf das Polizeiboot übernommen worden. Das Rettungsschiff selbst wurde beschlagnahmt. Die Sprecherin von Sea Watch in Italien, Giorgia Linardi, bestätigte der Deutschen Presse-Agentur, dass alle 47 Migranten an Land seien.

Innenminister überrascht

Salvini wurde von der Entwicklung offenbar überrascht. Aus seinem Ministerium hatte es noch am Nachmittag geheißen, Richter könnten anordnen, was immer sie wollten, aber das Ministerium werde verhindern, dass Menschen von dem "illegalen Schiff" an Land gingen. Salvini twitterte verärgert: "Soweit es mich betrifft, sollte es auch wenn das Schiff beschlagnahmt wird KEINE Anlandung geben. Jeder, der anderer Auffassung ist, muss die Verantwortung dafür übernehmen." Der rechtsgerichtete Salvini hat seine gegen Migranten gerichtete Rhetorik vor der EU-Wahl am kommenden Sonntag noch einmal verschärft.

Die "Sea-Watch 3" hatte vergangenen Mittwoch vor der Küste Libyens insgesamt 65 Migranten gerettet. Am Samstag war das Schiff dann offenbar ohne Erlaubnis in italienische Hoheitsgewässer eingelaufen. Zunächst durften 18 Menschen, darunter Kinder mit ihren Eltern und ein kranker Mann, auf Lampedusa an Land. Die anderen mussten noch auf dem Rettungsschiff bleiben. Der Sprecher der Hilfsorganisation, Ruben Neugebauer, hatte am Samstag gewarnt, die Lage auf dem Schiff habe sich zugespitzt. "Es gibt Suizidgefahr", sagte er.

(be/dpa)