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420.000 Anträge auf Kurzarbeitshilfen in der Türkei gestellt

6.4.2020 20:02 Uhr

Rund 19.000 türkische Unternehmen, die von den wirtschaftlichen Folgen des Coronavirus betroffen sind, haben seit dem 30. März bei der Regierung Anträge für staatliche Unterstützung hinsichtlich der Kurzarbeitszahlungen an ihre 420.000 Mitarbeiter gestellt.

Wenn die türkische Arbeitsagentur (ISKUR) die Anträge von Unternehmen genehmigt, die aufgrund der Coronavirus-Pandemie den Betrieb eingestellt oder die Arbeitszeiten verringert haben, werden 60 Prozent der monatlichen Bruttogehälter ihrer Mitarbeiter bis zu sechs Monate lang von der Arbeitslosenversicherung ausgezahlt. Seit 2005, als das System eingeführt wurde, profitierten nach Angaben von ISKUR fast 350.000 Arbeitnehmer von Kurzarbeitszahlungen in Höhe von 423,5 Millionen türkischen Lira (rund 58 Millionen Euro).

Anträge für Kurzarbeitsbezuschussungen online möglich

Im vergangenen Monat hat das türkische Parlament die Kriterien für Kurzarbeitsanträge gelockert. So können Arbeitgeber Bezuschussungen für ihre Arbeitnehmer beantragen, die mindestens 60 Tage (herabgesetzt von 120 Tagen vorher) ununterbrochen vor der verkürzten Arbeitszeit auf der Gehaltsliste standen und innerhalb der letzten mindestens 450 Tage (vorher von 600 Tagen) in den letzten drei Jahren die Arbeitslosenversicherungsprämie gezahlt haben. Darüber hinaus wird festgelegt, dass Arbeitnehmer, die diese Kriterien nicht erfüllen, im Rahmen ihres verbleibenden Arbeitslosengeldes ebenfalls von dieser Option profitieren können.

Das Verfahren zur Bewertung der Kurzarbeitsanträge aufgrund von Covid-19 wird online erleichtert und die Anträge von Unternehmen, die aufgrund der wegen der Pandemie ergriffenen Maßnahmen den Betrieb einstellen mussten, werden priorisiert, gab ISKUR bereits im März bekannt. Ein Arbeitnehmer, der den monatlichen Mindestlohn (knapp 320 Euro) verdient, hat Anspruch auf etwa 1.580 Lira (216 Euro) als Kurzarbeitergeld. Das Ministerium für Familie, Arbeit und soziale Dienste geht davon aus, dass die Anträge in den kommenden Wochen zunehmen werden, da die Regierung neue und strengere Maßnahmen ergreift, um der noch weiteren Ausbreitung des Coronavirus entgegenzuwirken.

Hilfspaket der türkischen Regierung von 13,7 Milliarden Euro

Das Ministerium zahlt außerdem 1.000 Lira (rund 137 Euro) an über zwei Millionen Bürger, die bereits monatliche Sozialleistungen beziehen. Am 18. März kündigte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan Maßnahmen zum Schutz der wirtschaftlichen Stabilität an, um den wirtschaftlichen Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie auf die Gemeinden entgegenzuwirken. Das Hilfspaket von 100 Milliarden Lira (knapp 13,7 Milliarden Euro), einschließlich Stundungen bei der Rückzahlung von Schulden und Steuersenkungen in verschiedenen Sektoren, soll darauf abzielen, die wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Pandemie abzufangen.

Das türkische Finanzministerium hat Steuerzahlungen und Steuerabrechnungen für 1,9 Millionen Unternehmen verschoben. Inzwischen haben türkische Banken, angeführt von drei staatlichen Kreditgebern, ihren Kunden eine Stundung von Rückzahlungen und günstige Kredite mit einer Schonfrist von sechs Monaten angeboten.

(ce)

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