fotolia.com © Alliance

4 französische Touristen-Schätze, die man gesehen haben sollte

6.6.2019 13:08 Uhr

Wer Frankreich von seiner ursprünglichen Seite kennenlernen möchte, findet hier vier Orte, die als echte Geheimtipps gelten. Abseits der großen Touristenmagnete lässt sich der besondere Charme des Landes und seine kulturelle und kulinarische Vielfalt entdecken.

Frankreich ist international als Reiseziel bekannt und beliebt. Die Schlösser der Loire, Elsass und Lothringen und immer wieder Paris sind nach wie vor die Highlights. Sicherlich nicht die schlechteste Wahl, aber eben teilweise auch kolossal überlaufen, teuer und "touristisch".

1. La Londe-les-Maures

Denkt man an die französische Mittelmeerküste, so verbinden das die meisten Menschen mit den Perlen am Ligurischen Meer: Nizza, Cannes, Saint-Tropez. Weiter westlich wird es schon schwieriger, obwohl schon die Côte d'Azur de facto bis Marseille reicht.

Dass der sich daran anschließende Küstenbogen auch weitestgehend im Dunkel bleibt – bis auf die FKK-Welthauptstadt Cap d’Agde – ist nur verständlich.

Allerdings muss man sich für den ersten Tipp nicht einmal in den "wilden Westen" der französischen Mittelmeerküste begeben; wir bleiben in der Region Provence-Alpes-Côte d’Azur, genauer gesagt auf halbem Weg zwischen Toulon und Saint-Tropez.

Hier liegt das Örtchen La Londe-les-Maures. Dank der umliegenden Geographie in den Ausläufern des Massif des Maures ist dies einer der sonnengeküsstesten Orte der Grande Nation, der selbst für Côte d’Azur-Verhältnisse im Sommer ein Traumwetter bietet. Auch hier gibt es Tourismus, vor allem im Sommer. Doch viele sind der Ansicht, dass es sich um einen der etwas weniger überlaufenen Orte der Provence bzw. der Côte d'Azur handelt.

Malerisch ist es hier. Ein unter Kennern bekanntes Gut hat hier seinen Sitz, das Château les Valentines. Die Weine spiegeln die Seele der Provence gekonnt wider. Im Ortskern wimmelt es von Platanenbäumen und einer klassischen französischen Mittelmeer-Architektur.

Vor der Bucht, deren Strand mit feinem Sand bedeckt ist, warten die Îles d’Hyères, auf die man vom bronzezeitlichen Megalith-Monument Dolmen de Gaoutabry auch noch einen sehr guten Ausblick hat.

Definitiv ein guter Start, wenn man sich an die großen französischen Traumziele Provence und Côte d'Azur herantasten möchte und eine Ausgangsbasis sucht.

Wann anreisen? Für volles Strand-Feeling natürlich im Sommer. Ruhiger aber nicht minder schön ist die Region allerdings im Frühjahr und Herbst.

Der Blick über La Londe-les-Maures zeigt das malerische Ambiente. Vor der Küste liegen direkt die Îles d’Hyères, ein beliebtes Ziel für Tagesausflüge. Bildquelle: instagram.com © chrystel_cellierco

2. Lannion

Sowohl am Mittelmeer als auch am Ärmelkanal, dem Atlantik und der Nordsee verfügt Frankreich über direkten Zugang zum Meer. Insgesamt sind es rund 5.500 Kilometern Küstenlänge. Kein Wunder, dass es auch hier eine große Vielfalt zu entdecken gibt.

Statt der azurblauen Sonnen-Romantik am Mittelmeer mit vielen sanften Sandstränden zeigt sich die Küste an Bretagne rauer und wilder.

Perfekt für alle, die die Kombination von Land und Meer als echte Naturgewalt suchen. Hier dürfte das französische Städtchen Lannion und seine umliegende Region passend sein.

Zwischen Lannion und La Londe-les-Maures liegen 974 Kilometer Luftlinie; gefühlt jedoch ein halber Kontinent. Denn Lannion liegt im nördlichen Arm der Bretagne. Dort, wo der Atlantik einige tausend Kilometer Anlauf nehmen konnte, bevor er aufs Festland trifft.

Nicht wenige sind der Meinung, dass diese Ecke der vielleicht bretonischste Part Frankreichs sei. Was die Architektur anbelangt, stimmt das mit Sicherheit. Vor allem in Lannions Ortskern ist das mit den vielen alten, etwas windschiefen und kunterbunten Fachwerkhäusern noch sehr lebendig.

Imposant: Lannion liegt zwar rund sechs Kilometer vom Meer entfernt. Das aber drückt über den Mündungstrichter des Flüsschens Léguer mit solcher Macht hinein, dass selbst im Ort der enorme bretonische Tidenhub von rund fünf Metern sichtbar ist.

Wann anreisen? Wetterfeste Touristen, die sich nicht vor den weniger badetauglichen Seiten der Küste fürchten, reisen zwischen Oktober und April an. Wer allerdings noch keine Erfahrung mit dieser Form von Küstenurlaub hat, sollte es zunächst klassisch im Sommer versuchen.

Der pittoreske Ortskern von Lannion besticht durch eine bunte Vielfalt historischer Bauten. Bildquelle: fotolia.com © Manok

3. Monthermé

Für den nächsten Geheimtipp geht es in die nordwestliche Ecke des Landes ganz nah an die belgische Grenze. Die Ardennen sind einigen möglicherweise vom Rad- und Motorsport bekannt.

Hier erstrecken sich die südwestlichen Ausläufer des Rheinischen Schiefergebirges, das in die andere Richtung über die Eifel bis zum Deutschen Eck von Koblenz reichen. Zugegeben, es gibt Ecken in diesem Gebirgszug, die schroffer sind, namentlich in Belgien.

Doch gerade beim Örtchen Monthermé, ferner dem naheliegenden Charleville-Mézières (der Hauptstadt des Départements Ardennes) erkennt man etwas anderes, nicht minder Spannendes: Wie sehr sich die Flüsse Maas und Semois hier im Lauf der Jahrmillionen in die Felsen gegraben haben.

Monthermé liegt an einer Flussschleife, die das Örtchen fast zur Insel macht. Es lockt nicht nur eine von vergleichsweise wenigen modernen Bausünden verunstaltete Architektur, sondern nur wenige Kilometer weiter nördlich der Beginn des Parc Naturel Régional des Ardennes und damit ein beliebtes Ziel für Wanderer.

Wer hier Urlaub macht, muss wissen, dass es hier grundsätzlich sehr ruhig zugeht. Das sorgt dafür, dass man niemals mit großen Touristenmassen in Berührung kommen wird. Die besten Voraussetzungen für einen erholsamen Urlaub inmitten der französischen Natur.

Wann anreisen? Idealerweise im Spätfrühling, wenn die Wälder in einem besonders satten Grün strahlen. Später im Sommer, speziell wenn es trocken ist, verblasst die Pracht ein wenig, dafür wird es im Herbst herrlich bunt.

Monthermé und seine Flussschleife sind nicht umsonst ein beliebtes Fotomotiv. Sie liegen inmitten einer malerischen Landschaft. Bildquelle: instagram.com © igers-Charleville

4. Avallon

Die Region Bourgogne-Franche-Comté wird von deutschen Touristen in gewisser Hinsicht tatsächlich sträflich ignoriert. Sträflich deshalb, weil sie eigentlich alles bietet, was das Touristenherz begehrt, das ein ursprüngliches Frankreich kennenlernen möchte. In diesem Sinne muss das Örtchen Avallon fast schon stellvertretend für die ganze Region stehen, zumindest aber das Département Yonne.

Denn das Dorf kann auf eine über 2.000 Jahre zurückreichende Geschichte blicken. Gegründet wurde Avallon als Festung der Gallier. Der Ort thront auf einem Felsmassiv oberhalb des Flüsschens Cousin und hat so eine geradezu strategische Lage mit weitem Blick über die umliegende Region.

Allerdings ist es nicht das, was Touristen dort hintreiben sollte. Zumindest nicht primär. Es ist die geradezu lehrbuchhafte Architektur mit unzähligen alten Gebäuden aus dem typischen unverputzten Stein.

Es sind die zahllosen Spuren mittelalterlicher Bebauung inmitten des Ortskernes und ringsherum. Und nicht zuletzt ist es die unheimlich reizvolle Landschaft, die geradezu archetypisch für echtes "Seele baumeln lassen" steht: Viel Natur, Felder, verstreute Dörfchen, einzelne Gehöfte.

Ein weiterer wichtiger Faktor aus Touristensicht: Avallon liegt dennoch verkehrstechnisch günstig und befindet sich in unmittelbarer Nähe gleich mehrerer Autobahnen: Der Ort ist über die A4, die A26 und die A6 gut zu erreichen.

Wann anreisen? Gern im Sommer. Dann liegt die Landschaft so wunderbar still da, als wäre sie tatsächlich in einen Dornröschenschlaf gefallen.

Natürlich wirkt es hier enorm imposant. Doch auch außerhalb solcher Fotografen-Traummomente ist Avallon und seine Umgebung ein kleines Juwel. Bildquelle: instagram.com © dododude

Fazit

Alle Wege führen nicht nur nach Rom, sondern auch nach Paris. Die französische Hauptstadt ist nicht umsonst ein echtes Highlight, das man unbedingt einmal gesehen haben sollte. Erst recht, wenn die Stadt jetzt noch grüner werden soll.

Dennoch sind es vor allem die kleineren, in den Reiseführern kaum erwähnten Orte, die einem das echte und ursprüngliche Frankreich in all seinen Facetten nahebringen: Das Land, das Poeten beflügelte, in dem Köche von Weltrang Zuhause sind und das eine der vielleicht lebens- und genussbejahendsten Kulturen Europas hervorgebracht hat.

(Hürriyet.de)

0 Kommentare

Bitte geben Sie den Aktivierungscode ein, der an Ihre E-Mail-Adresse gesendet wurde.

Sie müssen angemeldet oder registriert sein, um mitzudiskutieren.

Sie müssen angemeldet oder registriert sein, um mitzudiskutieren.