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4 Dinge unseres modernen Alltags mit überraschend langer Geschichte

19.9.2019 10:51 Uhr

Vieles von dem, was wir heutzutage täglich nutzen, ist eine vergleichsweise junge Erfindung – denken wir zumindest. Bei den folgenden vier Dingen liegt das tatsächliche Erfindungsdatum jedoch sehr weit in der Vergangenheit.

Hand aufs Herz: Seit wann gibt es den Ventilator? Wer jetzt gefühlt einen Zeitraum zwischen den 1920ern und -50ern im Kopf hat, weil sich in dieser Zeit die Elektrik massenhaft ausbreitete und somit auch dazugehörige Anwendungen, ist sicher nicht allein – aber weit von einer richtigen Antwort entfernt. Denn Ventilatoren reichen viel weiter zurück. Wie auch die anderen drei Dinge in diesem Artikel.

1. Ventilatoren

Natürlich wollen wir den Leser mit dem eingangs genannten Beispiel nicht lange auf die Folter spannen. Tatsächlich ist der Ventilator keine Erfindung des Stromzeitalters. Seine Geschichte reicht prinzipiell sogar bis zur großen Zeitenwende zurück – selbst wenn man dabei die wedelnden Palmblätter und Luftfächer der alten Ägypter und ähnlicher Kulturen außeracht lässt.

Denn selbst wenn wir uns einen „richtigen“ Ventilator, also mit drehendem Propeller, vornehmen, ist auch der buchstäblich uralt. Erste, per Kurbel zu betreibende Ventilatoren tauchten schon in chinesischen Aufzeichnungen aus dem zweiten Jahrhundert auf. Ab dem Mittelalter wurde das Gerät auch in Europa populär und nutzte als Antriebsenergie teils sogar die Bewegung von warmer und deshalb aufsteigender Luft.

Und im 19. Jahrhundert, als sowieso viel erfunden wurde, tauchte dann auch folgendes stromloses Kleinod auf, der Zimmerventilator, der über eine Flamme und einen Sterlingmotor betrieben wurde:

2. Mobiltelefone

Angesichts ihrer heutigen Verbreitung stehen die Chancen gut, dass dieser Artikel gerade auf einem gelesen wird. Und der moderne Mensch von heute weiß natürlich, dass Handys in der zweiten Hälfte der 1990er ihren großen Durchbruch hatten – wer gern ältere Filme und Serien schaut, kennt vielleicht auch die ganz und gar nicht taschentauglichen „Knochen“ wie das Motorola 8000X aus den 1980ern. Aber frühere Handys? Sicher nicht.

Auf solche Aussagen sollte besser niemand wetten, er würde verlieren. Bleiben wir in Deutschland, sieht es nämlich so aus: Bereits 1910 sah das enorm visionäre Werk „Die Welt in 100 Jahren“ das Mobiltelefon präzise voraus. 1926 führte die Bahn eine im Zug von Hamburg nach Berlin installierte Telefonzelle ein.

Das erste „richtige“ Handy war in Westdeutschland ab 1958 erhältlich. Die damalige Bundespost startete in diesem Jahr das erste Mobilfunknetz des Landes, das A-Netz (dessen Urenkel, das D-Netz, wir heute noch nutzen). Zwar waren die dazugehörigen Geräte alles andere als kompakt. Auch konnte praktisch jeder mit einem passenden Funkgerät Gespräche abhören und wenn man von einer Funkzelle in die nächste wechselte, brach das Gespräch ab. Aber es war ein auch für Privatleute erhältliches Mobilfunksystem – das allerdings wegen seiner Größe niemand herumtrug, sondern das meist nur in Autos eingebaut war.

3. Synthesizer

Synthesizer sind zwar von der Nutzung her ein Instrument der jüngsten 40, 45 Jahre. Die Technik selbst ist jedoch mehr als doppelt so alt. Bildquelle: pixabay.com © kpr2

Wenn man heute das Radio einschaltet und sich irgendeinen Sender mit zeitgenössischer Chart-Musik aussucht, ist es praktisch unmöglich, an Synthesizer-Musik vorbeizukommen. Also Töne und Klänge, die vollkommen elektronisch erzeugt werden, ohne dass daran schwingende Saiten, im Luftstrom vibrierende Holzplättchen oder Ähnliches beteiligt sind.

Auch bei diesem Gerät kann der geneigte Leser eine Altersschätzung abgeben. Wer schon einige Geburtstage gefeiert hat, erinnert sich vielleicht noch an Synthie-Pop der 80er Jahre. Schon ganz gut, aber waren da nicht auch in den 1970ern die Elektro-Pioniere namens Kraftwerk?

Wer allerdings glaubt, damit schon zur Geburtsstunde des Synthesizers zurückgerückt zu sein, irrt leider. Die findet sich in den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts. Ein junger Amerikaner namens Thaddeus Cahill ersann dieses Gerät, das Telharmonium. Und wie ein heutiger Synthesizer erzeugte es komplett synthetische Klänge.

Der einzige Nachteil: Schon das Bedienteil war groß wie eine Kirchenorgel. Im Keller der Telharmonium-Hall in New York war dann der „Rest“ installiert: Eine rund 200 Tonnen wiegende Konstruktion aus Magneten, Kabeln und Rotoren. Unglaublich kompliziert und mit einem enormen Stromverbrauch versehen. Dem Erfolg tat das keinen Abbruch: Abertausende strömten in die Halle, um den geisterhaften, sphärischen Klängen zu lauschen.

Tatsächlich war das Telharmonium für einige Jahre so erfolgreich, dass darüber auch etwas anderes erfunden wurde, was für die meisten Menschen heute eine sehr, sehr junge Entwicklung sein dürfte: Das Musikstreaming. Über das Telefon war es möglich, aus mehreren „Sendern“ mit Telharmonium-Musik zu wählen und ihr gegen eine geringe Abo-Gebühr zu lauschen.

Leider existiert keine Aufnahme dieses einzigartigen Instruments mehr. Nur diverse Beschreibungen aus Zeitungen und Briefen von damals. Wer sich einen ungefähren Eindruck machen möchte, findet in dem rund 20 Jahre jüngeren Trautonium einen ähnlichen Sound, der allerdings weit weniger raumfüllend ist:

https://www.youtube.com/watch?v=Mzc3d_qcNYs

4. To-Go Essen

Der heutige Mensch hat nicht gerade viel Zeit. Vor allem im hektischen Leben einer Großstadt. Was machen wir also? Wir kaufen unseren Morgenkaffee und genießen ihn unterwegs. Auch das Brötchen gibt’s auf die Hand. Und letztendlich ist ja auch der bekannteste Beweis für Türkisch-Deutsche Kulinarik, der Döner, eine To-Go Speise.

Doch wer fing mit diesem Nahrungskonsum ohne Zeitverzug an? Waren es die Amerikaner, die ja bekanntlich das Schnellrestaurant mit Drive-Through erfanden? Oder eher die Deutschen in den quirligen 1920ern, als findige Bauchladen-Verkäufer an Bahnhöfen den Reisenden belegte Brote durchs offene Zugfenster verkauften?

Nein, weit gefehlt. Um rund 2000 Jahre, um genau zu sein. Na klar, die Römer waren es. Eigentlich nicht verwunderlich. Eine Hochkultur, die es bereits vor der Zeitenwende schaffte, ihre Stadtbürger Tag und Nacht mit fließendem Wasser und Tageszeitungen zu versorgen, sollte schon gefühlt auch To-Go Essen gekannt haben.

Bei den Römern hießen die damit verbunden Läden Thermopolium. Und dank neuester Ausgrabungen (u.a. in Pompei) weiß man auch, dass diese Geschäfte verblüffend dem ähnelten, was man heute in einem Dönerladen oder einer Currywurstbude vorfindet: Tresen, Kochen vor aller Augen, einige wenige Gerichte und oft nur Stehtische.

Auch verblüffend: Wohl schon damals wetterten Gelehrte gegen diese Schnellimbisse, weil sie nicht gerade gut für den Körperfettanteil waren.

(Hürriyet.de)

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