Symbolbild: imago/Xinhua

30 Jahre nach Massenpanik im Stadion - Polizist wegen fahrlässiger Tötung angeklagt

14.1.2019 12:01 Uhr

Großbritannien, Hillsborough-Stadion vor 30 Jahren: Eine Massenpanik bricht aus, 96 Menschen kommen ums Leben. Der zuständige Einsatzleiter und Polizist hätte das vermutlich verhindern können. Er muss sich nun vor Gericht der grob fahrlässigen Tötung in 65 Fällen stellen.

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30 Jahre nach der Massenpanik im englischen Hillsborough-Stadion mit 96 Todesopfern beginnt am Montag im nordwestenglischen Preston der Prozess gegen den damaligen Einsatzleiter der Polizei. Die Staatsanwaltschaft wirft David Duckkendfield, der zum Unglückszeitpunkt für die Sicherheit in dem Stadion verantwortlich war, grob fahrlässige Tötung in 95 Fällen vor. Er beteuert seine Unschuld.

Es sollte ein Spiel zwischen Liverpool und Nottingham Forest werden

Vor Beginn eines Spiels zwischen Liverpool und Nottingham Forest im Hillsborough-Stadion im nordenglischen Sheffield hatte es am 15. April 1989 ein tödliches Gedränge gegeben. 96 Menschen starben. Da aber eines der Opfer erst vier Jahre nach dem Unglück seinen Verletzungen erlag, kann sein Fall nach damals geltendem Recht nicht mehr strafrechtlich verfolgt werden.

Ebenfalls auf der Anklagebank sitzt der damalige Geschäftsführers des gastgebenden Clubs, Graham Mackrell. Er muss sich wegen Sicherheitsmängel im Stadion verantworten. Mackrell plädierte ebenfalls auf nicht schuldig.

Der Prozess beginnt am Montag zunächst mit der Auswahl der Geschworenen, ihm dürfte sich das Eröffnungsplädoyer der Anklage anschließend. Wie lange das Gerichtsverfahren insgesamt dauern wird, ist noch nicht absehbar.

Spiel wurde trotz Gedränge angepfiffen

Nach einem Gerichtsurteil vom April 2016 trägt die Polizei die Verantwortung für die Tragödie im Stadion von Sheffield. Kurz vor dem Anpfiff warteten damals vor dem Stadion noch immer tausende Liverpool-Fans auf den Einlass, der Druck an den Eingangstoren stieg. Schließlich traf der Polizei-Einsatzleiter die verhängnisvolle Entscheidung, das Eingangstor zum Westblock zu öffnen. Innerhalb von Minuten strömten rund 2000 weitere Fans auf die bereits überfüllten Ränge.

Hunderte Liverpool-Fans wurden in ihrem Block durch die von außen nachdrängenden Massen gegen die Zäune am Spielfeldrand gedrückt. 94 Menschen starben, hunderte weitere wurden verletzt - zwei von ihnen erlagen später ihren Verletzungen. Das Spiel wurde trotz des Gedränges angepfiffen und erst nach sechs Minuten gestoppt. Nur ein einziger Krankenwagen wurde dann aufs Spielfeld gelassen - Symbol für die vielen Fehlentscheidungen der Polizei an diesem Tag.

Polizei wollte eigene Fehler vertuschen

Die Polizei gab zunächst Hooligans die Schuld an der Tragödie. Jahrelang kämpften Angehörige der Opfer dafür, die Fans zu entlasten. Im September 2012 kam dann eine unabhängige Untersuchungskommission zu dem Schluss, dass die Polizei eigene Fehler bewusst vertuscht hatte. Vier Jahre später urteilte ein Gericht dann, dass der Tod der Liverpool-Fans kein Unfall war, sondern eine Konsequenz der vielen Fehlentscheidungen der Polizei.

Im September beginnt ein weiterer Prozess gegen die beiden damaligen Polizisten Donald Denton und Alan Foster und den früheren Anwalt Peter Metcalf. Ihnen wird unter anderem Justizbehinderung vorgeworfen.

</div>(sis/afp)