Symbolbild Messer: imago images / Deutzmann

19-jähriger Iraner erfindet Neonazi-Überfall in Bielefeld

15.11.2020 15:09 Uhr

Der angebliche Neonazi-Überfall von Bielefeld auf einen 19-jährigen Iraner ist aufgeklärt. Der junge Mann räumte gegenüber der Polizei ein, dass es nie einen solchen Übergriff gegeben habe und er sich die Verletzungen – ein eingeritztes Hakenkreuz im Hüftbereich – selbst zugefügt habe. Der Vorfall hatte auf Social-Media-Plattformen ein großes Echo erfahren. Bereits im Januar 2020 wurde der junge Mann bei der Polizei vorstellig, um ein ähnlich gelagertes Delikt anzuzeigen, bei welchem die Ermittlungen ergebnislos blieben. Ob nun in zwei Fällen wegen Vortäuschung einer Straftat zum Nachteil des 19-Jährigen angestoßen werden, konnte die Polizei Bielefeld nicht mit Gewissheit sagen.

Am Mittwoch, dem 11. November 2020, gab ein 19-jähriger iranischer Staatsangehöriger an, in Brackwede in Bielefeld Opfer einer Attacke von vier bis fünf Neonazis geworden zu sein. Beim Joggen habe man ihn überfallen und ihm ein Hakenkreuz oberflächlich in die Haut geritzt. Die Polizei Bielefeld schaltet wegen der Möglichkeit einer politisch motivierten Straftat den Staatsschutz an. In Befragungen verstrickte sich der junge Mann in Widersprüche und auch ein rechtsmedizinisches Gutachten zur Verletzung wollte den Einlassungen des angeblichen Opfers nicht folgen. Man stellte fest, die Verletzungen waren nicht mit den Darstellungen zum Tatgeschehen des jungen Mannes übereinstimmend.

Strafverfahren gegen den 19-Jährigen bereits eingeleitet

Am Freitag wurde der Fall dann doch abschließend geklärt – es gab keinen Überfall von Neonazis auf den jungen Iraner. Er hatte sich die Tat ausgedacht. Ob das auch die angebliche Tat von Januar betrifft, werden die Ermittlungsbehörden zu klären haben.

Am späten Freitagabend erschien das angebliche Tatopfer in Begleitung seiner Eltern auf der Polizeiwache Nord in Bielefeld. Dort räumte er ein, er habe sich die Verletzungen selbst zugefügt und den Vorfall erfunden. Die Polizei befragte ihn, was ihn dazu bewegt habe und er antwortete, er habe durch die Öffentlichkeit bei einem Neonazi-Überfall "Aufmerksamkeit erregen" wollen. Im Nachgang zu seinen Einlassungen wurde unverzüglich ein Strafverfahren wegen der Vortäuschung einer Straftat gegen den 19-Jährigen eingeleitet.

(ce)

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