100 Jahre Helmut Schmidt - Olaf Scholz würdigt Altkanzler

15.11.2018 21:50 Uhr

SPD-Vizekanzler Olaf Scholz hat den verstorbenen Altkanzler Helmut Schmidt zum 100. Geburtstag als weitsichtigen Weltpolitiker und Vorbild gewürdigt. "Die Bedeutung des Lebenswerks von Helmut Schmidt wird immer noch unterschätzt", sagte Scholz am Donnerstagabend zur Eröffnung der Fotoausstellung "Helmut Schmidt: Hanseat - Staatsmann - Weltbürger" im Berliner Willy-Brandt Haus.

Schmidt habe gewusst, dass Deutschland seine Rolle in der Welt nur als Teil der Europäischen Union habe finden können, sagte Scholz. Auch Altkanzler Gerhard Schröder kam mit seiner fünften Frau Soyeon Schröder-Kim zu der Ausstellung über das Werk des Amtsvorgängers.

Die Schau wird organisiert vom Freundeskreis Willy-Brandt-Haus und ist von Dienstag bis Sonntag (12 - 18 Uhr, Eintritt frei) zu sehen. Der 2015 verstorbene Schmidt wäre am 23. Dezember 100 Jahre alt geworden. Scholz sagte, Schmidt sei einer der ersten gewesen, der die Rolle von Finanz- und Handelsbeziehungen im globalen Sinne verstanden habe und zum Mitbegründer der G7-Treffen geworden sei.

In der Ausstellung sind auch private Bilder von Schmidt mit seiner Ehefrau Loki und rauchgeschwängerte Bilder aus Schmidts Kellerbar in seinem Haus in Hamburg-Langehorn mit dem damaligen französischen Präsidenten Valéry Giscard d"Estaing zu sehen.

Scholz verwies auch auf Schmidts Einsatz für den Nato-Doppelbeschluss - durch die atomare Aufrüstung wurde die Sowjetunion letztlich in die Knie gezwungen. "Wir wollen bei der Wahrheit bleiben: Sowohl Gerhard Schröder als auch ich waren dagegen", sagte Scholz. Aber am Ende mündete das Wettrüsten in Abrüstungsverhandlungen - und unter anderem im INF-Abrüstungsvertrag für Kurz- und Mittelstreckenraketen in Europa, der nun von US-Präsident Donald Trump in Frage gestellt wird.

Schmidt lebe gerade mit seinem Werben für internationale Kooperation und ein gemeinsames Europa weiter, betonte Scholz. Mit Blick auf die schlechte Lage der SPD meinte Scholz, Schmidt würde heute zu mehr Attacke raten und vor hektischen Kurswechseln warnen. "Er würde sagen: Vergesst nicht, was wir gemeint haben, als wie die SPD zur Volkspartei weiterentwickelt haben."

(be/dpa)