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10 Tipps zum Schutz im Smart Home

28.5.2019 10:35 Uhr

Smart Homes sind schon seit Längerem nichts Unbekanntes mehr. Sie werden damit angepriesen, dass sie den Alltag erleichtern, das Haus oder die Wohnung sicherer machen und Aufgaben übernehmen, die der Mensch so präzise und zuverlässig vielleicht gar nicht erledigen kann. Beliebt sind sie deshalb aber noch nicht so sehr. Das liegt vor allem daran, dass potenzielle Nutzer Angst haben. Angst vor der Preisgabe und Weitergabe von noch mehr persönlichen Daten, Angst vor Hackerangriffen und Manipulationen und vor den Kosten. Dass Smart Homes mit umfassender Ausstattung noch kein Schnäppchen sind mag stimmen. Die Ängste allerdings sind unbegründet. Jedenfalls, wenn Nutzer sich richtig schützen.

1. Sichere Passwörter wählen

Die SSID, also der Netzwerknamen des drahtlosen Heimnetzwerks mit dem Smart Home-Geräte miteinander und mit dem Internet verbunden sind sowie die Router-Verwaltungssoftware werden in der Regel mit Standardpasswörtern ausgeliefert. Oft lauten diese ganz einfach "12345" oder "admin". Diese Passwörter sind unbedingt sofort nach, bzw. bei der Installation der Geräte zu ändern. Wie gute und sichere Passwörter aussehen können und wie man sie sich am besten merkt, erklärt beispielsweise das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik auf ihrer Website.

Denn wenn sich jemand Zugriff in ein ungesichertes Netzwerk verschaffen kann und weiß, welcher Router verwendet wird, kann er das Standardpasswort mitteln Recherche im Netz mitunter herausfinden. Es gilt daher auch einen Netzwerknamen festzulegen, der keine Rückschlüsse auf den Typ des Routers oder die Marke zulässt. Andernfalls sind die eigenen Daten gefährdet.

2. Auf den Datenschutz achten

Der Schutz der eigenen Daten ist ein wichtiges und derzeit immer wieder heißdiskutiertes Thema. In vielen Bereichen des Alltags sind unsere Daten bereits in Gefahr. Und oftmals können wir gegen eine Verbreitung unserer Daten gar nichts tun. So ist zwar eine Kamera- und Bewegungsüberwachung im öffentlichen Raum zwar noch nicht alltäglich, sie wird aber immer mehr zum Massenphänomen. In Berlin gab es im Jahr 2016 schon über 15.000 Kameras. Auch seitens der Polizei wird mit diesen Kameras bereits überwacht. So soll zwar die Sicherheit erhöht und etwa Terrorgefahren minimiert werden, die Freiheit der Bürger ist damit aber in Gefahr. Denn der Bürger kann, wenn es so weiter geht, auf Schritt und Tritt überwacht werden.

Gegen die Überwachung im öffentlichen Raum lässt sich wenig tun, außer politisch aktiv zu werden. Die Überwachung im eigenen Zuhause allerdings kann leichter vermieden werden. Sie ist aber in Gefahr, wenn beim Kauf von Smart Home Geräten nicht genau hingeschaut wird. Denn viele Produkte speichern die Daten, die sie im Haus des Nutzers "aufschnappen", bzw. mit denen dieser sie füttert und leiten sie an die Hersteller weiter. Seitens vieler Anbieter finden sich leider keine Angaben, wie die Sicherheit der Nutzer gewährleistet wird. Man stelle sich nur vor, ein Mitarbeiter verschafft sich Zugriff auf eine der Überwachungskameras im Haus und nutzt seinen Zugang zur Spionage.

Wer sichergehen möchte, dass seine Daten nicht an andere gelangen, muss auf Systeme und Produkte achten, welche die Daten nicht im Netz speichern. Ansonsten geht mit mehr Komfort, wie etwa dem Fernzugriff auf bestimmte Geräte, eben auch ein Risiko auf Datenspionage einher.

3. Den Ladezustand der Batterien kennen

Nicht selten werden viele Geräte im Smart Home per Batterie, bzw. Akku betrieben. Betreiber sollten jederzeit genau wissen, wie hoch der Ladezustand der Geräte ist. Ansonsten kann es natürlich passieren, dass ein Gerät ausfällt und damit Haus oder Wohnung etwa nicht mehr ausreichend geschützt sind.

Auf die meisten Geräteinformationen kann inzwischen per Smartphone zugegriffen werden. Per App lässt sich dann auch der Ladezustand eines Geräts ablesen. Falls das nicht möglich ist, sollte sich der Kauf gut überlegt werden. Bei Produkten, die sich online nicht ansteuern lassen, ist es ratsam, sich beim Hersteller oder bei anderen Nutzern schlau zu machen, welche Erfahrungen diese mit den Laufzeiten haben.

4. Wissen, was bei einem Stromausfall zu tun ist

Viele Sicherheitsprodukte im Smart Home werden auch per Strom betrieben. Wichtig ist, dass die Kabel zu den Geräten sicher verlegt sind, damit niemand beispielsweise im Dunkeln stolpern und sich verletzen kann. Außerdem sollten im Falle eines Stromausfalls Batterien einspringen und genügend Energie für die Geräte liefern. Allerdings gibt es solche Kombi-Produkte nicht immer und oft sind sie teurer. Sollten keine Batterien eingebaut sein, müssen Betreiber wissen, was dann bei einem Stromausfall passiert.

Welche Geräte sind bei einem Stromausfall betroffen? Funktioniert vielleicht dennoch eine zentrale Steuerungseinheit, die mit dem Haustürschloss verbunden ist und bei einem Stromausfall die Tür blockiert? Wer einen Bedarf nach erhöhter Sicherheit hat, kann auch überlegen, sich eine USV zuzulegen. Diese unterbrechungsfreie Stromversorgung ist im Grunde nichts anderes, als eine Art Hausstromgenerator auf Batteriebasis, die dafür sorgt, dass die Geräte konstant Saft haben.

Bei einem Stromausfall laufen Geräte, die batteriebetrieben sind oder eine Wechselfunktion haben weiter. Doch was ist eigentlich mit den anderen Geräten? Und ist das Zuhause dann noch sicher? fotolia.de © marcus_hofmann (#249604947)

5. Updates vornehmen

Die Firmware, Browser, der Router und diverse Apps rund um das Smart Home können in den meisten Fällen upgedatet werden. Diese Updates enthalten in vielen Fällen wichtige Schließungen von Sicherheitslücken in bisherig beständigen Softwarevarianten. Somit sind diese Updates sozusagen Fernwartungen vom Hersteller. Er kann über das Internet neue Software aufspielen und Nutzern mehr Sicherheit bieten.

Da sich die Technik heute genauso schnell weiterentwickelt, wie die Angriffe auf Schwachstellen ebenjener Technik sind derlei Updates enorm wichtig, um sich erfolgreich gegen Hacker zu schützen.

6. Die Schwachstelle Smartphone sichern

Oft ist das Smartphone die Kommandozentrale des Smart Homes und gleichzeitig leider auch dessen Schwachstelle. Mit dem Smartphone kann von unterwegs geprüft werden, ob die Läden heruntergelassen sind, der Herd ausgeschaltet oder die Heizung aufgedreht ist und eventuell sogar live Bilder von der Sicherheitskamera senden. Das alles ist zwar wahnsinnig praktisch und futuristisch, es ist aber auch nicht ungefährlich. Denn wenn das Smartphone verlorengeht, können sich Fremde über unsicher Apps schnell Zugang zum Haus verschaffen oder zumindest die Sicherheit gefährden.

Grundsätzlich sind Apps, die nicht einhundertprozentig vertrauenswürdig sind, sowieso nicht auf dem Smartphone zu installieren. Sobald eine unseriöse Anwendung auf dem Smartphone installiert ist, kann sie nämlich Zugriff ins Smart Home und somit auf die eigenen vier Wände bekommen. Misstrauisch sollten Nutzer immer dann werden, wenn Apps nur extrem selten aus dem Store heruntergeladen wurden oder keine Bewertungen haben. Auch umfangreiche Zugriffsberechtigungen fordern seriöse Apps im Normalfall nicht.

Virenscanner für das Smartphone können als Schutzmaßnahme übrigens zusätzlich helfen. Auch mobile Security-Systeme, mit denen etwa das Handy per Fernzugriff im Falle eines Diebstahls gesperrt oder gelöscht werden kann, können sinnvoll sein.

7. Auf Verschlüsselung achten

Nicht einmal nur wenn das Smartphone verlorengeht wird es kritisch. Denn wenn etwa das Video der Überwachungskamera unverschlüsselt über das Internet übertragen wird, können Fremde ohne große Probleme einfach mitschauen. Wichtig deshalb: Daten immer nur verschlüsselt senden. Und zwar vom einzelnen Gerät zur Basisstation, von der Basisstation zum Router und vom Router bis hin zum Smartphone. Wie das funktioniert, kann in der Produktbeschreibung nachgelesen werden.

Etwa von der Arbeit aus das Zuhause überwachen zu können, ist sicherlich praktisch. Allerdings sollte die Übertragung immer verschlüsselt stattfinden! fotolia.de © New Africa (#229239302)

8. Eventuell verschiedene Netzwerke nutzen

Um das Risiko auf einen ungewollten Zugriff auf das Smart Home zu minimieren, kann es mitunter auch sinnvoll sein, unterschiedliche Netzwerke zu nutzen. Ein Netzwerk wird dann beispielsweise nur von Gästen genutzt. Ein anderes wiederum ist für den PC gedacht und ein drittes schließlich nur für das Smart Home-System. So können im Falle eines Angriffs auf eines der Netzwerke die anderen abgeschirmt und geschützt werden.

9. Auf renommierte Produkte setzen

Natürlich sollte kleineren Marken und Herstellern oftmals auch eine Chance gegeben werden. Wer allerdings hochqualitative und sichere Produkte und Systeme herstellt, wird sich vor allem im Technikbereich sowieso schnell einen Namen machen. Wer an einem Smart Home-System interessiert ist, sollte hier deshalb keine Kompromisse eingehen und von Anfang an auf renommierte Produkte setzen. Ein gesundes Misstrauen gegenüber unbekannten Produkten oder Geräten, die keine Bewertung in gängigen Onlinekaufhäusern haben, kann nicht schaden. Generell kann diese Bewertung bei der Auswahl des richtigen Systems helfen – denn niemand ist so ehrlich, was Produkte angeht, wie die Käufer selbst, die von gut funktionierender und zuverlässiger Technik ausgehen.

10. Mechanik höher als Technik bewerten

Smarte und gut kontrollierte sowie richtig installierte Technik kann maßgeblich zur Sicherheit des eigenen Zuhauses beitragen. Allerdings ersetzt sie mechanische Schwachstellen im Haus noch lange nicht. Somit bleibt letztlich immer noch am allerwichtigsten, dass Schwachstellen, wie Türen und Fenster mechanisch ausreichend gesichert sind. Schutzklassiker, wie Querriegelschlösser, Kastenriegelschlösser, einbruchhemmende Fenster, abschließbare Fenstergriffe, verstärkte Türen und Türrahmen haben sich seit jeher für die Sicherheit der eigenen vier Wände bewährt.

(Hürriyet.de)