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​Wie lief die Woche vom 27. April bis 01. Mai für die Türkische Lira?

2.5.2020 13:18 Uhr

Die letzte Handelswoche im April verlief für die Türkische Lira (TRY, TL) gegenüber US-Dollar (USD) und Euro (EUR) nicht positiv. Als die ersten wirtschaftlichen Kennziffern über das türkische Statistikamt TÜIK veröffentlicht wurden, gab es am 1. Mai, dem Tag der Arbeit, der auch in der Türkei ein Feiertag ist, das Abrutschen. Beide Vergleichswährungen – Euro und Greenback – sanken in kritische Bereiche ab und schrieben 52-Wochen-Tiefstände, die aber genaugenommen Tiefstwerte im Bereich von 18 Monaten darstellen.

Beim Euro bewegte sich die Landeswährung der Türkei auf die Marke von 7,80 TRY für den EUR zu und beim Dollar wurde die psychologisch wichtige Grenze von 7,00 TRY für den USD überschritten. Doch wie geht es weiter in Zeiten, in denen sich zwar die Lage wegen des Coronavirus in Bezug auf Todeszahlen und Neuinfektionen langsam bessert, aber wo an eine vollständige Öffnung der Länder wohl noch nicht zu denken ist?

Moderate Kursbewegungen

Wer sich das Chart des Wochenverlaufes beim Handel Türkische Lira zum Euro anschaut, der wird sehen, dass die Kursbewegungen der türkischen Landeswährungen nach oben und nach unten recht moderat ausfielen. Mal ging der Wechselkurs etwas in die Knie, dann erholte er sich wieder leicht. Am Ende stand aber stets ein erträgliches Minus auf dem Papier. Doch mit dem Monatswechsel vom 30. April auf den 1. Mai, den Feiertag, rutschte die Lira ab. Wurde der Handel auf den Devisenmärkten am Donnerstag mit einem Kurs von 7,6524 TRY zum EUR beendet, legte der Handel nahezu einen Kaltstart hin. Am Ende der Woche – und damit schon am 2. Mai in Europa – stand die Türkische Lira bei einem Kurs von 7,7798 TRY zum EUR. Fast 13 Kurus Kursverlust. Im Wochenverlauf büßte die Lira damit 2,7 Prozent an Wert zum Euro ein.

Screenshot finanzen.net

Beim Handel mit dem US-Dollar lief es für die Türkische Lira besser. Das könnte nicht zuletzt daran liegen, dass das Volumen der Privatkredite und auch der Staatsverschuldung der Türkei primär über den Greenback läuft. Hier würde ein signifikanter Kursverlust von 13 Kurus bei einer Auslandsverschuldung des Staates mit kurzer Laufzeit von mehr als 100 Milliarden US-Dollar sofort alle Alarmzeichen aufleuchten lassen. Der Handel am letzten Apriltag endete mit 6,9882 TRY für den USD und die Lira schrieb am 01. Mai einen Tiefstand auf 52-Wochenbasis von 7,0401 TRY für den USD. Der Wochenhandel endete jedoch mit einem Wechselkurs von 7,0130 TL für den Dollar. In der Spitze büßte die Türkische Lira gegenüber dem Greenback rund 0,9 Prozent im Wochenverlauf ein, was sich weit moderater als die 2,7 Prozent an Verlust beim Euro liest.

Screenshot finanzen.net

Woran liegt die aktuelle Schwäche der Lira?

Ein wichtiger Puzzlestein in Bezug auf die Kursbewegungen ist der Fallout des Coronavirus und Covid-19. Die Türkei hat da zwar die Fallzahlen nach offiziellen Veröffentlichungen im Griff, was Neuinfektionen und Todesopfer durch das Virus angeht, aber man ist von einer Öffnung noch weit entfernt. Der Tourismus im Frühling fehlt dem Land. Dadurch entfallen Einnahmen, die bei einem Land wie der Türkei, welches auf Fremdkapital angewiesen ist, einen wichtigen wirtschaftlichen Faktor darstellen. Eine weitere Frage ist, wie weit ist die Zentralbank noch bereit oder in der Lage, bei Kursschwankungen intervenierend und bremsend einzugreifen. Reichen die Währungsreserven aus, den Kurs zu regulieren?

Währungsstützung ist generell eine Frage des Handlungsspielraums und der Devisenreserven, die vorhanden sind. Die müssen aber mit der Auslandsverschuldung – gerade bei kurzfristigen Krediten – gegenkalkuliert werden. Und wenn man merkt, es reicht nicht und man bringt sich durch das Intervenieren zur Kursregulation in eine finanzielle Schieflage, gibt man den Kurs frei. Das bedeutet ein Absinken der eigenen Währung. Eine weitere Rolle spielen weltweite Analysten, die zum Beispiel Inflationsrate und Leitzins gegenrechnen. Steht dann am Ende ein negativer Realzinssatz, in der Türkei aktuell minus 3,2 Prozent, auf dem Papier, wird die Aussicht nicht positiv analysiert. Das wirkt sich negativ auf Investoren aus.

Generell ist es augenblicklich aber so, dass Kapitalanleger in der Krise durch das Coronavirus "vorsichtiger" sind. Das ganze Investorengilde ist im Fallout von Covid-19 sehr fragil, sehr zerbrechlich und von Abwarten geprägt. Die kommenden Wochen werden sehr entscheidend sein. Kann sich die Türkei in der Post-Corona-Krise so aufstellen, dass man für Geldgeber interessant ist, die langfristige Investments planen, ist es möglich, wie Phönix aus der Asche zu steigen. Dazu sind sicherlich einige Parameter einzustellen, aber sobald Investoren erkennen, die Stellschrauben werden gedreht, werden sie mit Hochdruck wieder in den türkischen Markt strömen. Ein Wegweiser dafür könnte zum Beispiel das Haushaltsdefizit sein, das zurückgeschraubt werden muss.

(ce)

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