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"Turbo-Türke" Almas – der neue Stern am deutschen Leichtathletik-Himmel

12.8.2020 14:51 Uhr

Deniz Almas wäre auch gerne Fußball-Profi geworden, doch dafür hat es nicht gereicht. Nicht, weil er zu schlecht gewesen wäre. Der Grund dafür liegt vielmehr in der Natur der Sache. "Mein Trainer hat immer gesagt, dass ich schneller als der Ball bin. Ich war schon weg, als der Ball kam", sagte der 23-Jährige einmal.

Dann eben ein Sprintstar, so wie am vergangenen Wochenende bei den deutschen Leichtathletik-Meisterschaften in Braunschweig: In 10,09 Sekunden flitzte der Sohn einer Deutschen und eines Türken allen davon und kürte sich in der Königsdisziplin zum Sieger.

"Bin im Kopf stärker geworden"

Unter dem Hashtag "#turbotürke" postet der in Calw geborene und im Schwarzwald aufgewachsene Almas gerne Beiträge bei Instagram. Im Februar war der Student der Sportwissenschaft sogar "#titeltürke" - nach seinem Sieg bei den nationalen Hallenmeisterschaften in Leipzig über 60 Meter.

Aber 100 Meter? "Da dachten viele, der kommt hinten eh nicht an“, sagte Almas. Aber er habe in seiner Trainingsgruppe in Leipzig viel am letzten Drittel des Sprints gearbeitet. "Ich bin im Kopf stärker geworden. Ich weiß: Die letzten 20 Meter, da kann ich das Ding holen." Dabei lasse es sich auch nicht mehr von einem "Startmonster" wie Julian Reus irritieren. Der 32 Jahre alte deutsche Rekordhalter aus Erfurt musste im leeren Eintracht-Stadion als Dritter in 10,26 Sekunden nicht nur Almas, sondern auch noch den jungen Kölner Joshua Hartmann (10,23) vorbeiziehen lassen - eine Wachablösung.

Die Zehn-Sekunden-Marke im Visier

Ob Almas irgendwann mal als erster deutscher Athlet die Zehn-Sekunden-Marke unterbieten kann? "Natürlich denkt man auch an so was, aber ich mache mir da keinen Kopf." Seit Reus' Bestmarke von 10,01 Sekunden (2016) war keiner so schnell wie Almas. Zuletzt hatte er in Weinheim schon mit 10,08 geglänzt. "Mit der 10,08 hatte ich mir schon sehr, sehr große Chancen ausgerechnet. Aber man muss es erst mal machen - und ich hab' es gemacht! Ich bin super happy."

Nach einem Seuchenjahr mit vielen Verletzungen 2018 ist der Hobby-Fußballer auf dem besten Weg zu den Olympischen Spielen nach Tokio - wenn sie denn 2021 stattfinden. Damals verlor er seinen Platz im Bundeskader, fand sich aber beim VfL Wolfsburg und Ex-Sprinter Sven Knipphals "gut aufgefangen". Das gilt auch für seine Trainingsgruppe in Leipzig, die Almas überschwänglich lobte: "Ist Sprint ein Teamsport? Im Stadion nein, da will jeder gewinnen, aber im Hintergrund agiert auch ein Team, und ohne dieses Team wäre ich nicht da, wo ich bin. Man sieht, dass wir in Leipzig sehr, sehr gute Arbeit machen, trotz Corona. Wir blicken auf eine goldene Zukunft."

Almas hat "richtig Blut geleckt"

Am Anfang habe man ein bisschen ins Blaue hineintrainiert, erklärte Almas. Irgendwann habe man die Möglichkeit genutzt, "dieses Jahr ganz ohne Druck anzugehen, hart zu arbeiten und zu nutzen und den Rückenwind aus dieser Saison mitzunehmen, um eine super Vorbereitung auf die Olympischen Spiele zu machen", erklärte der neue Hoffnungsträger. "Für mich war es das Beste, was passieren konnte. Jetzt habe ich richtig Blut geleckt, richtig Bock - übertrieben Bock."

(bl/dpa)

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