​Türkei: Hausbesuche während der Corona-Krise

21.9.2020 22:35 Uhr

In der Türkei wurden Kontrollteams eingeführt, die überprüfen sollen, ob sich Corona-Infizierte im Land auch tatsächlich in Selbstisolation befinden. Mit den Kontrollen soll festgestellt werden, ob Infizierte die Maßnahmen einhalten. Außerdem sollen sie sich auch um die Bedürfnisse der Menschen kümmern, die sich vorbildhaft in Selbstisolation befinden.

Die Kontrollteams wurden auf Anweisung des türkischen Innenministeriums ins Leben gerufen, nachdem sich herausstellte, dass einige Bürger in der Türkei Quarantäne- und Selbstisolationsregeln missachten und sich nach draußen wagen würden – und das trotzt einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus. Zu den neunköpfigen Teams gehören hierbei unter anderem Schulleiter, Muhtars (Dorf- oder Bezirksvorsteher), Imame und Lehrer.

Hausbesuche nach einer Liste des türkischen Gesundheitsministeriums

Die Teams bestrafen Corona-Regel-Missachter mit Geldstrafen bis zu 3500 türkische Lira (ca. 390 Euro) und gehen des Weiteren rechtlich gegen sie vor. Außerdem kommunizieren die Teams isoliert über Balkone oder Fenster mit den Menschen, die sich an die Regeln halten, um sie zu fragen, ob sie etwas benötigen.

„Wir machen Hausbesuche nach einer Liste des Gesundheitsministeriums. Die Listen werden alle zwei oder drei Tage aktualisiert, wenn neue Personen, die positiv getestet wurden, zur Liste hinzugefügt werden“, so die Angaben von Ertug K., dem Leiter eines solchen Teams im Istanbuler Stadtteil Sancaktepe. „Die Teams besuchen dieselbe Person nicht nur einmal, sondern mehrmals“, fügte K. hinzu.

„Ohne dieses System wären wir elend gewesen“

Der türkische Gesundheitsminister Fahrettin Koca berichtete vor Kurzem, dass die mobile HES-Anwendung „Hayat Eve Sigar“ („Das Leben passt in die Wohnung“) dazu beigetragen hat, rund 140.000 Quarantäne-Ausreißer zu identifizieren.

Die Türkei verwendet im Rahmen der Bemühungen des Landes zur Eindämmung des Virus auch die Filiationsmethode zum Screening der Kontaktkette der Infektionskrankheit. Die Anzahl der Mitarbeiter in den Filiationsteams sei hierbei von 6000 auf mehr als 11.000 erhöht worden.

"Das in der Türkei implementierte Filiationssystem ist weltweit beispiellos", teilte Koca der Hürriyet mit. Wenn die Türkei dieses System nicht eingeführt hätte, "wären wir elend gewesen", fügte er hinzu.

(gi)

0 Kommentare

Bitte geben Sie den Aktivierungscode ein, der an Ihre E-Mail-Adresse gesendet wurde.

Sie müssen angemeldet oder registriert sein, um mitzudiskutieren.

Sie müssen angemeldet oder registriert sein, um mitzudiskutieren.