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​Türkei: Einwohner von Istanbul wollen trotz Einsturz-Gefahr nicht ihre Häuser verlassen

17.11.2020 20:36 Uhr

Ein Bericht des Istanbuler Statistikamtes zeigte, dass fast ein Viertel der Einwohner Istanbuls nicht dazu bereit ist, ihre Häuser zu verlassen - selbst wenn die Gebäude, in denen sie leben, im Falle eines Erdbebens einsturzgefährdet sind.

Zwischen dem 5. und 7. November wurden für die Umfrage des Büros der Stadt Istanbul 769 Bürger telefonisch befragt. Der Bericht, der kurz nach dem Erdbeben in der Ägäis vom 30. Oktober erschien, unterstreicht die von den Experten vorhergesagte Exposition der Stadt gegenüber einem möglicherweise größeren Beben.

Der Bericht zeigt, dass fast die Hälfte der Häuser der Einwohner der Stadt vor dem Marmara-Erdbeben von 1999 gebaut wurden, das 45 Sekunden mit einer Stärke von 7,4 dauerte, 18.373 Menschen tötete und 23.781 Menschen verletzte.

Des Weiteren ergab der Bericht, dass 55,6 Prozent der Angehörigen der Altersgruppe 18-40 glauben, während eines Erdbebens zu wissen, was zu tun ist, während diese Quote für die Teilnehmer ab 40 Jahren 50,9 betrug. Rund 72 Prozent der Teilnehmer gaben an, keine Notfallausrüstung für Erdbeben zu haben.

Einsturzgefahr? Finanzielle Unzulänglichkeit?

In Bezug auf die möglichen Folgen der Gebäude der Bürger in Istanbul, gaben 22 Prozent der Teilnehmer bei der Umfrage an, dass sie glauben, dass ihr Gebäude bei einem Beben zerstört werden würde, während 64 Prozent angaben, dass ihr Gebäude bei einem Erdbeben mit einer Stärke von 7,0 nur mäßige oder geringfügige Schäden erleiden würde.

Etwa 13,5 Prozent der Befragten glaubten, dass das Gebäude, in dem sie leben, gar keine Schäden erleiden werden würde.

Als die Bewohner gefragt wurden, was sie tun würden, wenn die Berichte darauf hindeuten, dass ihr Gebäude während eines Erdbebens ernsthaft vom Einsturz bedroht ist, antworteten 62,5 Prozent der Teilnehmer, dass sie in ein sichereres Haus ziehen würden. Mehr als 22 Prozent der Teilnehmer gaben jedoch an, dass sie ihre Häuser nicht verlassen und weiterhin im selben Gebäude wohnen würden. Rund 80 Prozent der Teilnehmer, die im selben Gebäude bleiben würden, gaben zudem an, dass der Hauptgrund ihre finanzielle Unzulänglichkeit sei.

Der erwartete Marmara-Erdbeben

Vielen Experten zufolge ist es nur eine Frage der Zeit, wann ein Erdbeben großer Stärke Istanbul mit mehr als 16 Millionen Einwohnern treffen wird. Eine Reihe von Erdbeben hat kürzlich sowohl die West- als auch die Osttürkei erschüttert, wo Istanbul im September 2019 auch ein Erdbeben der Stärke 5,8 erlebte.

Im Falle eines Erdbebens der Stärke 7,5, das Istanbul treffen könnte, werden nach Berichten voraussichtlich mehr als 100.000 Gebäude mittelschweren sowie schweren Schäden ausgesetzt sein.

(gi)

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