dpa

"Sabine": Bahn stellt bundesweiten Fernverkehr ein

9.2.2020 18:09 Uhr

Wegen Orkantief "Sabine" wird die Deutsche Bahn den Fernverkehr am Sonntag nach und nach einstellen. Den Anfang macht NRW, andere Bundesländer folgen.

Aufgrund zunehmender Windstärken sei entschieden worden, "beginnend in NRW nach und nach alle Züge des Fernverkehrs bundesweit an größeren Bahnhöfen enden zu lassen", teilte die Bahn auf ihrer Webseite mit. In Nordrhein-Westfalen seien bereits mehrere Streckenabschnitte gesperrt worden. Auch in Norddeutschland hatte die Bahn zuvor einige Zugverbindungen vorsorglich eingestellt. Die Züge in den vom Sturm betroffenen Regionen fahren zudem mit reduzierter Geschwindigkeit.

Im Emsland fuhr ein Intercity gegen einen umgestürzten Baum. In dem Zug aus Amsterdam Richtung Berlin befanden sich nach Angaben einer Bahnsprecherin rund 300 bis 350 Reisende. Das Sturmtief "Sabine" hatte am Sonntag zunächst den Norden Deutschlands erreicht. In der Nacht zum Montag soll es weiter gen Süden ziehen.

Sturm fegt über den Norden

Das seit Tagen angekündigte Sturmtief «Sabine» hat den Norden mit seinen Ausläufern erreicht - und Deutschland wappnete sich am Sonntagnachmittag für die folgenden Stunden gegen die wachsenden Gefahren. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hatte für große Teile Deutschlands die zweithöchste Unwetterwarnstufe ausgerufen. Bahn- und Luftverkehr waren stark beeinträchtigt. Am Montag fällt an vielen deutschen Schulen der Unterricht aus, etwa in den meisten Großstädten des bevölkerungsreichsten Bundeslandes Nordrhein-Westfalen sowie in Teilen Hessens und Bayerns. In Baden-Württemberg können Eltern wegen Schulweggefahren ihre Kinder vom Unterricht befreien lassen.

Das Sturmtief sollte die ganze Nacht von Norden nach Süden durch das Land ziehen. Durch das Unwetter könnten laut DWD Bäume entwurzelt werden oder Dachziegel auf die Straße fliegen. Auch größere Schäden an Gebäuden könne es geben. Im äußersten Osten, also von Vorpommern bis zur Niederlausitz, werde bislang nicht mit verbreiteten Unwettern gerechnet. Doch auch hier seien bei Gewittern Orkanböen möglich.

Viele Flugausfälle in Frankfurt, Düsseldorf, Köln und Co.

Wegen des aufziehenden Orkans strichen Flughäfen wie Frankfurt/Main, Düsseldorf, München, Berlin-Tegel, Köln/Bonn, Stuttgart, Dortmund, Hannover und Bremen Dutzende Starts und Landungen. Auch am Amsterdamer Flughafen Schiphol fiel viel aus.

Die Deutsche Bahn kündigte schon am Sonntagvormittag den Ausfall zahlreicher Zugverbindungen an. Die «Hauptstrecken» der DB waren am Nachmittag nach 15 Uhr aber noch «frei befahrbar», wie es im eigens eingerichteten Presse-Blog der Bahn hieß. Reisenden wurde geraten, ihre Verbindung vor Fahrtantritt in der Reiseauskunft auf bahn.de oder in der App DB Navigator zu prüfen.

Etliche Fährverbindungen zu den Nordseeinseln wurden eingestellt. Und auch Fußballspiele fielen aus, etwa das rheinische Bundesliga-Derby Mönchengladbach gegen Köln.

"Sabine" in Großbritannien "Ciara"

In Großbritannien, wo «Sabine» den Namen «Ciara» trägt, wurden zahlreiche Zugverbindungen und Flüge gestrichen. Der Hafen von Dover stellte den Fährbetrieb ein. In Irland kam es zu Überschwemmungen. Tausende Haushalte hatten keinen Strom.

Im Laufe des Abends sollte sich der Sturm mit einzelnen Orkanböen auf den gesamten Norden und die Mitte Deutschlands ausbreiten. Dort wurde der Höhepunkt in der Nacht zum Montag erwartet, im Süden am frühen Montagmorgen.

Begleitet werden soll der befürchtete Orkan vielerorts von heftigen Schauern und Gewittern. In der Nacht werden Windgeschwindigkeiten von rund 120 Kilometern pro Stunde erwartet. «Sabine» ist laut DWD ein Winterorkan, wie er etwa alle zwei Jahre vorkommt. So stark wie «Kyrill» (2007) oder «Lothar» (1999) werde «Sabine» nicht.

Deutsche Bahn ist vorbereitet

Die Deutsche Bahn hatte sich auf Probleme vorbereitet. Wer nicht reisen möchte, kann die Fahrkarte kostenfrei stornieren. Das Bahnpersonal sei auf zerstörte Oberleitungen oder umgekippte Bäume vorbereitet. Mobile Einsatztrupps mit Kettensägen sollten eingesetzt werden, um versperrte Gleise frei zu bekommen.

Schon am Samstag war der Skisprung-Weltcup in Willingen (Hessen) abgesagt worden. «Sabine» sorgte am Sonntag dann für weitere Absagen von Fußballspielen. Im westfälischen Halle wurde auch ein Konzert der Schlagersängerin Andrea Berg abgesagt.

Zunächst war der Sturm auch noch Spaß: Winddicht eingepackt stemmten sich in St. Peter-Ording an der Nordsee (Schleswig-Holstein) zahlreiche Eltern mit ihren Kindern sowie Hundehalter mit ihren Vierbeinern gegen die Böen. Auch Kite-Surfer nutzten den heftigen Wind.

Auch in anderen europäischen Ländern gab es Vorkehrungen. Der niederländische Wetterdienst forderte Autofahrer auf, nicht mit Anhängern und Wohnwagen zu fahren. Der Fußballverband KNVB sagte für Sonntag alle Spiele der Profiligen ab. In England wurde die für Sonntag angesetzte Partie zwischen Meister Manchester City und West Ham United angesichts der Gefahren verschoben. Die Queen verzichtete auf ihren Gottesdienstbesuch, um Schaulustige nicht zu gefährden.

(be/afp)

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