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​Reuters-Analyse zu Lebensmittelpreisen in der Türkei: Weniger Ware für mehr Geld

16.1.2021 15:04 Uhr

Reuters hat sich mit einer Analyse den Lebensmittelpreisen in der Türkei angenommen. Darin wurde festgestellt, dass die Lebensmittel in der Türkei so teuer geworden wären, dass einige Leute auf Vorrat einkaufen, um in den kommenden Monaten noch höhere Preise zu vermeiden.

Reuters meldet in seiner Analyse, dass Eltern auf Rabatt-Babykekse umgestellt hätten, dass die Kosten für Eier sich in einem Jahr fast verdoppelten, aktuell das Trinkwasser in Flaschen um rund zwölf Prozent teurer wurde und dass auf Twitter ein Fake-Bild kursiert, auf dem ein Mann mit gebeugtem Knie einer Frau eine Flasche Speiseöl anstelle eines Verlobungsrings anbietet, als er um ihre Hand anhält. "Wir kaufen nur die absolut notwendigen und billigsten Marken da draußen. Alle Lebensmittelpreise steigen, vor allem aber Babynahrung “, sagte Hüseyin Duran gegenüber Reuters, ein 43-jähriger Vater von drei Kindern aus Istanbul und Wachmann, der für verlorene Arbeit eine teilweise staatliche Bezahlung erhält. "Ich mache mir Sorgen um meine Kinder", sagte er. "Wir können nur unsere Miete, Lebensmittel und Kreditzahlungen bezahlen."

Vorratskammern dünnen sich wegen der Dürre aus

In einer Welt mit nahezu Null-Inflation und wirtschaftlichen Folgen des Coronavirus zeichnet sich die Türkei durch einen jährlichen Anstieg der Verbraucherpreise um 15 Prozent aus und sorgt dafür, dass das Land nach Argentinien unter den Schwellenländern an zweiter Stelle steht und bei weitem den höchsten Inflationswert in der OECD aufweist. Steigende Öl- und Düngemittelpreise und trockenes Wetter sind laut Reuters Teil des Grundes dafür, dass die Nahrungsmittelinflation in einem Jahr um mehr als 20 Prozent gestiegen ist. Wirtschaftswissenschaftler verweisen aber auch auf fiskalpolitische Entscheidungen, durch welche die Lira im vergangenen Jahr auf Tiefststände sank und damit die Importkosten für Lebensmittel im Wert von rund 7,5 Milliarden Euro erhöhte.

Der türkische Präsident Tayyip Erdogan hat Ende des Jahres scharfe Zinserhöhungen akzeptiert, die inflationsstabilisierend wirken sollen, aber eine wirtschaftliche Erholung verlangsamen werden, gerade als Covid-19-Impfstoffe eingeführt werden. Angesichts von Umfragen, die zeigen, dass die Vorratskammern immer dünner werden, muss die Türkei laut Reuters-Analyse möglicherweise mehr gegen die grundlegenden Lebenshaltungskosten unternehmen, selbst nachdem ein neuer Chef der Zentralbank eingesetzt wurde, der sich im November verpflichtet hat, die Inflation zu zähmen. Ein politischer Entscheidungsträger sagte den Angaben nach gegenüber Reuters, die Regierung rechne mit einer schwierigen Inflation im Jahr 2021 und müsse überwacht werden.

(ce)

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