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“QAnon”: "Großreinemachen“ statt ”Großes Erwachen" – Twitter wirft Accounts raus

23.7.2020 21:50 Uhr

Zuerst hatte Twitter zum Großangriff auf Hasskommentare, Politikbeeinflussung und Co geblasen. Es wurden fünf- bis sechsstellig Accounts gesperrt – nicht zuletzt auch aus dem rechten, identitären Lager. Nun holt Twitter zu einem weiteren Schlag aus. Ziel diesmal: Die "QAnon"-Blase und ihre Mitstreiter oder Mitläufer. Schon in dieser Woche will der Gigant der Social Media den Verschwörungstheoretikern dauerhaft den Stecker ziehen.

Twitter hat in diversen Tweets darauf hingewiesen, dass man gegen die Bubble der designierten Verschwörungstheoretiker "QAnon" und " WWG1WGA" (Where We Go 1 We Go All) vorgehen wolle. Es wurde verkündet, dass die Twitter-Accounts, die sich als Multiplikatoren der Szene erweisen, dauerhaft gesperrt und ihre Inhalte gelöscht werden sollen. Dabei handelt es sich um eine sechsstellige Zahl an Accounts – von rund 150.000 ist die Rede. Twitter will damit seine Schritte konsequent weitergehen und Inhalte löschen, welche schädlich sind.

Doch diesmal geht Twitter über das bekannte Maß hinaus. Nicht nur, dass die Accounts, die zur Bubble zählen und teils Multi-Accounts fahren, gesperrt und gelöscht werden, es wird auch verhindert, dass "QAnon" trenden kann oder dass man auf Twitter Empfehlungen darüber vergibt. Entsprechenden Links wandern auf die "Black List", werden damit blockiert. In der Twitter-Suche sollen diese Themen auch nicht mehr auffindbar sein.

Wer oder was ist die "QAnon"-Bubble? Diese Filterblase, die sich auf Verschwörungstheorien aller Art konzentriert, tauchte zuerst auf "4chan" auf. Im Jahr 2017 war es ein Einzeluser mit dem Nicknamen "Q", der dort basislosen Content zu Hillary Clinton produzierte. Doch dem Automatismus folgend, sich selbst immer wieder übertreffen zu müssen, wurden immer verworrenere und abstrusere Beiträge mir fragwürdigem Content abgesetzt. Das reichte Trittbrettfahrerinnen und Trittbrettfahrern, auf den Zug aufzuspringen und sich an den verschrobenen Theorien tatkräftig zu beteiligen. Daraus entwickelte sich eine Bewegung.

Zahlreiche Akteure traten und treten auch immer wieder im Umfeld von Donald Trump auf, besuchten Veranstaltungen des US-Präsidenten. Und selbst der Präsident hat sich bereits verschwörungstheoretisierenden Content aus dieser Filterblase zu Eigen gemacht. Doch gegen diese Bubble stellt sich Twitter jetzt konsequent auf. Selbst Trump blieb davon nicht verschont: im Mai wurden Tweets des US-amerikanischen Präsidenten als "Fake News und faschistoider Content" gelabelt. Bereits jetzt ist die Szene im "Panikmodus", denn ohne Twitter verliert sie eine mächtige Verbreitungsplattform und Multiplikationsfaktoren für ihre Verschwörungstheorien.

(mb)

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