Hürriyet

Orhan Veli Kaniks "Anlatamiyorum" zweitmeistgelesenes Gedicht

15.7.2019 15:13 Uhr

Laut der internationalen Lyrikplattform Lyrikline ist Orhan Veli Kaniks Gedicht "Anlatamiyorum" ("Ich kann es nicht erklären") das zweitmeistgelesene Gedicht unter mehr als 11.700 Stücken. Auf Platz eins hat es Hermann Hesses "Stufen" gebracht, wie Lyrikline auf den Berliner Lyrikfestspielen seinen Partnern mitteilte.

Orhan Veli Kanik gehört zu den wohl bekanntesten türkischen Dichtern des 20. Jahrhunderts, der vor allem zwischen 1945 – 1950 großen Einfluss auf die türkischen Poesie der republikanischen Ära hatte. Er gilt als einer der Gründer der "Garip"-Bewegung ("Seltsam"), die heute gemeinhin als ein Meilenstein der türkischen Poesie gilt. Sie besinnt sich auf eine einfache, aber deutliche Sprache, die heute noch genauso aktuell ist, wie vor über 70 Jahren.

Über Orhan Veli Kanik

Orhan Veli Kanik wurde am 15. April 1914 in Istanbul geboren. Sein Philosophie-Studium an der Istanbul Universität brach er ab, um als Übersetzer und Beamter zu arbeiten. Unter dem Pseudonym Mehmet Ali Sel schrieb er Gedichte für sechs Literaturzeitschriften. Kanik starb am 14. November 1950 an einem Gehirnaneurysma, nachdem er zwei Tage zuvor in Ankara in eine Baugrube in der Straße gefallen war und sich vermeintlich nur leicht verletzte.

Die Übersetzung von Anlatamiyorum von der Lyrikline-Website lautet wie folgt:

Ich kann es nicht erklären
(moro romantico)
Wenn ich weine, hören sie meine Stimme
In meinen Versen?
Können sie meine Tränen berühren
Mit ihren Händen?

Ich wusste nicht, dass Lieder derart schön
Worte hingegen so unzulänglich sind,
Bevor ich in diesen Kummer stürzte.

Ich weiß, es gibt einen Ort;
Wo es möglich ist, alles zu sagen;
Ich bin ihm wohl ziemlich nahe gekommen, spüre ich;
Ich kann es nicht erklären.

(Übersetzung: Achim Wagner)

Über Lyrikline

Lyrikline ist das weltgrößte Online-Portal für zeitgenössische Dichtung. Auf der mit dem Grimme-Online-Preis ausgezeichneten Lyrikplattform finden sich mehr als 11.700 Gedichte von mehr als 1.300 Dichtern aus 83 Sprachen mit über 17.400 Übersetzungen. 1999 vom "Haus für Poesie" initiiert arbeiten hier derzeit Institutionen aus mehr als 50 Ländern zusammen, um Dichtung vorzustellen und in möglichst viele Sprachen zu übersetzen.

(be)

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