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Mammakarzinom: Häufigste Krebsart bei Frauen

26.1.2019 18:08 Uhr

Gastbeitrag von Doz. Dr. Yaşar Bilgin

Das Mammakarzinom gehört zu den häufigsten Krebsarten, die überwiegend bei Frauen auftritt. Mamma bedeutet weibliche Brust und Karzinom heißt bösartige Erkrankung, also handelt es sich um einen bösartigen Tumor der Brust.

In Deutschland erkranken über 70.000 Menschen jährlich an Mammakarzinom und mehr als 17.000 Patienten sterben an den Folgen dieser Krebsart. Eine von acht Frauen erkrankt in ihrem Leben an einem Mammakarzinom. Die Erkrankung ist altersabhängig und die Häufigkeit steigt mit dem 40. Lebensjahr an und nimmt ab dem 70. Lebensjahr wieder ab. Die Häufigkeit der Erkrankung ist in den westlichen Industrieländer höher, als in Afrika oder Asien. Das Mamakarzinom ist die häufigste Krebsart und bei jeder dritten Frau, die durch eine Krebserkrankung verstirbt, ist das Mammakarzinom die Todesursache.

Die Brust besteht aus verschiedenen Gewerbearten: Die Brustdrüsen, Milchgänge, Blut- und Nervengewebe, Lymphgefäßen sowie Fett. Die Milchdrüsen sind ein weiches Gewebe, das in verschiedenen Größen vorkommen kann, allerdings ist jede Brust von ihrem Aufbau gleich. Der Tumor kann vom Brustdrüsengewebe oder von den Zellen der Milchgänge ausgehen. In 80 % der Erkrankungen geht er von den Zellen der Milchgänge aus.

Früherkennung kann Leben retten

Da die Erkrankung bei rechtzeitiger Diagnose gut heilbar ist, sollten Veränderungen im Brustgewebe früh festgestellt werden. Dies kann jede Frau selber durch regelmäßiges Abtasten der Brust durchführen. Bei 80 Prozent der Erkrankungen haben die Frauen eine Veränderung ihrer Brust selbst festgestellt. Nicht jede Gewebeveränderung, die man erstasten kann, stellt auch eine Krebserkrankung dar. Wichtig ist aber, bei einer Veränderung der Brust zu reagieren und den Arzt aufzusuchen. Dabei sollte man auch auf optische Veränderung achten und ob sich beispielsweise die Brustwarzen eingezogen haben.

Erste Vorsorgeuntersuchung ab 30. Lebensjahr

In Deutschland können Frauen ab dem 30. Lebensjahr eine Vorsorgeuntersuchung durch den Arzt vornehmen lassen. Ab dem 50. Lebensjahr besteht die Möglichkeit des Screenings durch die Mammographie, deren Kosten von den Krankenkassen übernehmen werden. Bei der Mammographie wird eine Röntgenaufnahme der Brust gemacht, die Aussagen über eine eventuelle Krebsentstehung des Brustgewebes geben kann. Da eine Erkrankung nicht immer mit Schmerzen einhergeht, sollte man ab einem bestimmten Alter die Mammographie regelmäßig durchführen lassen, um eine mögliche Tumorerkrankung frühzeitig feststellen zu können.

Weitere Maßnahmen: Ultraschall, MRT und Feinbiopsie

Durch die Mammographie können allerdings nicht alle Tumore festgestellt werden. Etwa 15 Prozent der Tumore lassen sich nicht im Röntgenbild zeigen. Bei einem Verdacht auf eine mögliche Veränderung des Brustgewebes kann zusätzliche eine Ultraschalluntersuchung die Röntgenuntersuchung ergänzen. Wird eine Gewebeveränderung festgestellt, kann eine MRT-Untersuchung das Ausmaß der Erkrankung abklären. Außerdem kann eine Feinbiopsie, in der kleinste Gewebeanteile entnommen werden, genaue Aussagen über die Gewebeveränderungen geben.

Wie sieht die Therapie aus?

Wenn ein Mammakarzinom diagnostiziert wurde, werden die Ausbreitung und die Art des Karzinoms untersucht. Dabei wird mit einer MRT-oder CT-Untersuchung festgestellt, ob eventuell die Lymphgefäße, Lunge oder Knochen befallen sind. Die Therapie ist abhängig von der Größe und Art des Tumors, sowie die Ausbreitung und die Relation von Tumor- zur Brustgröße. Die genaue Zusammensetzung der Kombitherapie, bestehend aus Operation, Chemotherapie und Bestrahlung, wird dabei von verschiedenen Fachärzten individuell abgestimmt. Um die Brust der Frau zu erhalten, wird in 80 Prozent der Fälle eine brusterhaltende Therapie durchgeführt.

Erklärungsansätze für die Entstehung der Krankheit

Zur Entstehung der Erkrankung gibt es verschiedene Erklärungsansätze. Meistens entsteht sie spontan und ohne bestimmte Ursachen. Es gibt allerdings statistisch gesehen auch Faktoren, die eine Erkrankung begünstigen, wie bestimmte Risikofaktoren. Diese sind der Genuss von Nikotin und Alkohol, Ernährung und Übergewicht, Spätschwangerschaften und Vitamin-D-Mangel. Es gibt allerdings auch genetische Faktoren, die beim Entstehen eines Mammakarzinoms eine Rolle spielen. Sie sind erblich bedingt und führen zu einer familiären Häufung dieser Krankheit. Sind in der eigenen Familie häufig Fälle von Brustkrebs zu beobachten, kann man durch eine Blutuntersuchung feststellen, ob genetische Faktoren für ein Mammakarzinom vorliegen.

Brustkrebs beim Mann eher selten

Auch Männer können an Brustkrebs erkranken, allerdings ist dies selten. Warum auch Männer Brustkrebs bekommen können, kann man einfach erklären: Die weibliche und männliche Brust ist bis zur Pubertät von ihrem Aufbau gleich. Durch hormonelle Veränderungen in der Pubertät entwickelt sich dann die weibliche Brust anders, als die männliche Brust. Aber auch die männliche Brust besitzt Milchgänge und von diesem Gewebe kann eine Krebserkrankung ausgehen. Da es für Männer keine Mammographie-Angebote innerhalb der Krebsprävention gibt, wird diese Krebsart auch meist erst sehr spät festgestellt. Auch Männer sollten deshalb auf eine Veränderung ihres Brustgewebes achten und dies gegebenenfalls von einem Arzt überprüfen lassen.

Doz. Dr. Yaşar Bilgin
Türkisch - Deutsche Gesundheitsstiftung