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​Impfverweigerung: Masernfälle in der Türkei steigen

19.2.2019 16:44 Uhr

Die Zahl der Fälle von Masern in der Türkei wurde für die ersten neun Monate des Jahres 2018 mit 510 angegeben. Das ist einem erst kürzlich veröffentlichten Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu entnehmen und stellt einen signifikanten Anstieg im Jahresvergleich zu 2017 dar. Ein Jahr zuvor wurden nur 69 Masernfälle in der Türkei gemeldet.

In der Türkei gab es im Bemessungszeitraum keine Todesfälle, die auf die Masern zurückzuführen waren. Ärzte müssen jedoch auch in der Türkei mit einer steigenden Anzahl von Impfverweigerern umgehen und verdeutlichen, dass es wichtig ist, die Kinder impfen zu lassen, um so Krankheitsausbrüche zu verhindern. Laut einem Jahresbericht des türkischen Gesundheitsministeriums lag die Masernimpfrate 2015 bei 97 Prozent, 2016 bei 98 Prozent und ging im Jahr 2017 auf 96 Prozent zurück.

"Wir haben große Bedenken, dass, wenn unsere Impfrate auf unter 95 Prozent sinkt, nicht nur Masern, sondern auch andere Krankheiten, die seit Jahren als ausgerottet gelten - wie Diphtherie und Tetanus - zurückkehren könnten", sagte Professor Mehmet Ceylan, Leiter der Kinderheilkunde für Infektionskrankheiten an der medizinischen Fakultät von Hacettepe in Ankara, der Hürriyet.

Der Impfverweigerung entschieden entgegenwirken

Ceylan erinnerte auch an den Masern-Ausbruch des Jahres 2013, als 7415 Menschen in der Türkei mit Masern diagnostiziert wurden und er mahnte, dass eine Epidemie nur durch Impfungen verhindert wurde. "Die Impfung ist wichtig, weil Nährstoffe, Vitaminpräparate oder andere Mittel den Menschen nicht vor Masern schützen. Mit Masern kann man sich sehr einfach über die Atemwege anstecken und das Reisen (zum Beispiel im Flugzeug) macht es einfacher, Masern flächig zu verbreiten."

Der Professor betonte auch, dass in Ländern mit steigenden Zahlen bei Impfgegnern auch die Zahl der Masern zunimmt. "Wir müssen einen Trend gegen Impfungen unbedingt verhindern", betonte er. "Masern sind eine schwere und ansteckende Krankheit. Damit die Impfung zur Eindämmung oder Verhinderung von Epidemien erfolgreich verläuft, müssen die Impfraten um 98 Prozent liegen. Eine ungeimpfte und infizierte Person kann neun weitere ungeimpfte Personen infizieren", sagte Esin Senol, Arzt für Infektionskrankheiten an der medizinischen Fakultät der Gazi-Universität in Ankara.

Senol betonte, dass eine katastrophale Epidemie unausweichlich werden würde, wenn die Zahl der ungeimpften Menschen in der Türkei weiter steigt und ihre Zahl 50.000 erreicht. "In einem solchen Fall würden rund 100 von 1000 Menschen in ein Krankenhaus eingeliefert werden müssen und 20 an einer Enzephalitis erkranken. Jeder Tod, der durch Impfung hätte verhindert werden können, ist ein sinnloser Tod", sagte der Professor.

WHO ruft einen Impfstoffaktionsplan aus

Ein beunruhigender weltweiter Anstieg der Masernfälle in den letzten Jahren ist hauptsächlich auf die wachsende Stimmung der Eltern gegen Impfungen zurückzuführen. In den letzten Jahren wurde in Ländern mit niedrigen Impfraten wie der Ukraine, Serbien und Frankreich ein rascher Anstieg der Masernfälle beobachtet. Allein in der Ukraine gab es im vergangenen Jahr 40.000 Fälle von Masern.

Im Bericht der WHO heißt es, dass Masern, die durch Impfverweigerung verursacht wurden, im Jahr 2017 im Vergleich zu 2016 weltweit um 31 Prozent zugenommen haben. Bei den Masern handelt es sich um eine hochansteckende Viruserkrankung, durch die viele Kinder weltweit sterben, obwohl ausreichend Impfstoffe verfügbar sind. Die WHO hat einen globalen Impfstoffaktionsplan ausgerufen, mit dem die Ausrottung von Masern und Röteln in fünf Regionen der WHO bis 2020 angestrebt wird.

(Hürriyet Daily News)

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