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​Gesundheitsminister: Türkische Bürger sollen eigene Notstandsregeln aufstellen

20.3.2020 15:03 Uhr, von Chris Ehrhardt

Der Gesundheitsminister der Türkei, Fahrettin Koca, hat die Bürgerinnen und Bürger der Türkei nachdrücklich aufgefordert, unter dem Einfluss des Coronavirus COVID-19 eigene Notstandsregeln zu definieren und sich daran zu halten. Die Türkei strebt demnach einen "individuell umgesetzten Ausnahmezustand" an. Der Gesundheitsminister begründete das damit, dass die Infektionszahlen in der Türkei aktuell steigen. Dagegen würde nur Selbstdisziplin helfen und dass man sich rund drei Wochen in eine "selbst verordnete Quarantäne" begibt. Dann, so das Gesundheitsministerium, würde die Pandemie ihren Zenit überschreiten.

"Die Menschen fragen oft, ob wir den Ausnahmezustand erklären werden. Ein Ausnahmezustand ist nicht erforderlich. Einzelpersonen sollten ihren eigenen Notstand erklären und geeignete Maßnahmen ergreifen", sagte Koca am 19. März in einem Interview mit der Tageszeitung Hürriyet. "Die Zahl der Infizierten kann auf ein Minimum reduziert werden, wenn wir uns in den kommenden zwei bis drei Wochen selbst streng isolieren." Nach offiziellen Angaben hat die Türkei Ende des Tages am 18. März 359 Corona-Fälle und vier Todesfälle seit dem offiziellen im Land Ausbruch registriert. Die Türkei hat nach eigenen Angaben den ersten Fall am 11. März entdeckt.

Koca hat ferner betont, dass die nächsten zwei bis drei Wochen sehr wichtig sein werden, da die Ausbreitung des Virus in der Türkei in diesem Zeitfenster ihren Höhepunkt erreichen könnte. "Wir müssen in den nächsten zwei oder drei Wochen alle gemeinsam sehr vorsichtig sein. Wir sollten unsere Häuser in dieser Zeit nicht verlassen, wenn wir nicht müssen", sagte er. Koca, der das Parlament am 18. März über die neuesten Entwicklungen bezüglich der Auswirkungen der Pandemie in der Türkei informierte, teilte mit, dass das Ministerium die Virustests im ganzen Land verstärken werde.

Türkei entwickelt eigene Test-Routine bei Corona-Verdacht

"Jeder wird getestet werden können, aber die Tests werden auf die Empfehlung von Ärzten im Falle eines medizinischen Verdachtes auf Covid-19 durchgeführt", sagte Koca. "Nehmen wir an, Sie hatten einen Test und das Ergebnis ist negativ. Dies wird Sie dazu bringen, die Sicherheitsmaßnahmen zu ignorieren und den Virus möglicherweise auf andere zu übertragen. Warum ist das so? In China wurden Fälle beobachtet, in denen das Coronavirus erst im zweiten Test zweifelsfrei nachgewiesen werden konnte, obwohl der erste Versuch negativ ausfiel", erklärte die Koca die Risikofaktoren und Fehlerquoten beim Corona-Test. Es ist möglich, das Virus erst im zweiten Test zu erkennen und die Ärzte werden alle Patienten informieren, deren erste Tests auch drei Tage nach der ersten Untersuchung negativ bleiben, erklärte der Minister.

Auf eine Frage zu verschiedenen Methoden, die von Ländern der Welt wie Südkorea oder Großbritannien implementiert wurden, sagte Koca, die Türkei entwickle ein eigenes Modell. Der Minister sagte, er unterstütze das britische Modell in Bezug auf das Coronavirus nicht. Es werden zudem keine Tests in großer Zahl wie in China oder Südkorea durchgeführt. "In Ländern wie China, in denen Tests häufiger durchgeführt wurden, wurde beobachtet, dass sich negative Ergebnisse im zweiten Versuch als positiv herausstellen können. Dies erhöht die Ausbreitung. Wir selbst haben die Erfahrung gesammelt, dass ein Fall mit positivem Ergebnis auf das Coronavirus drei oder vier Tage später zu einem negativen Resultat führte. Zehn Tage später wurde ein positives Ergebnis gemessen. Wir haben auch die nahen Verwandten getestet und sie wurden ebenso positiv getestet", sagte Koca.

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