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​Deutschland und der Coronavirus-Skandal

14.3.2020 13:40 Uhr

Zahlreiche Länder machen in Sachen Coronavirus oder Covid-19 Nägel mit Köpfen. Dazu gehören Länder wie Österreich, die Türkei, Dänemark, Belgien, Tschechien, Israel und viele weitere Staaten. Nur Deutschland übt sich im Angesicht der Krise im politischen Eiertanz. Man scheut Grenzschließungen, Schulschließungen, die "von ganz oben" verhängt werden und klare Worte. Ganz zu schweigen von klarer Kante, proaktivem Vorgehen und umfassenden Präventivmaßnahmen. Das muss unverzüglich aufhören. Es stehen Menschenleben auf dem Spiel.

Es wurden in Deutschland - anders als in der Türkei - mehr als fünf Wochen an wichtiger Zeit sinnlos vergeudet, indem man sich um früh- und rechtzeitige Maßnahmen drückte. Die Türkei trat Maßnahmenpakete los, als es im Grunde noch keinen offiziell bestätigten Infektionsfall mit Covid-19 gab. An den deutschen Flughäfen flanieren, anders als in den USA oder der Türkei, Personen aus Risikogebieten so ungestört durchs Rund, als würde es Covid-19 nicht geben oder als wäre der Coronavirus ein Hirngespinst klickgieriger Medien. Corona ist real. Menschen sterben. Da bedarf es einer Politik der Mutigen, der Vorausschauenden, der Handelnden und nicht der zögerlichen Dauerzauderer. Reisenden aus Risikoländern den Zutritt zu verwehren ist kein Rassismus, sondern es ist Selbstschutz. Selbstschutz der Menschen im Land, Selbstschutz der Wirtschaft vor Ort.

Sperrt die Flughäfen für Ankommende aus Risikoregionen

Stärke der Politköpfe zeigt sich in Krisen. Was nutzt es, wenn man Universitäten und Schulen viel zu spät schließt, das Kicken vor Zuschauern und später ganz unterbindet, aber vergisst, dass Rückkehrer aus Krisengebieten in freiwillige Quarantäne gehören, dass es Einreisesperren für Menschen aus Risikogebieten geben muss und man den Laden einfach einmal dicht macht. Infektionsketten werden nicht damit unterbrochen, dass Geschäftsbesucher wie auch Touristen aus Risikoregionen mit einer erschreckenden Selbstverständlichkeit über deutsche Flughäfen lustwandeln, die einen Beobachter sprachlos hinterlässt. Anstatt zu reagieren und stärker auf die Bremse zu treten, wird vom Bundesministerium für Gesundheit vor Fake-News gewarnt, in denen von strafferen Maßnahmen der Bundesregierung berichtet würde. Fake-News? Umfassendere Maßnahmenkataloge wären eine Pflicht und es ist ein Trauerspiel, dass es Falsch-Nachrichten sind.

Gesundheitsminister Jens Spahn sagt, Falschnachrichten würden die Bürgerinnen und Bürger verunsichern. Ist nicht eher so, dass gerade das politische Nichthandeln und fehlende Konsequenz die Bürgerinnen und Bürger weit eher verunsichert und angstvoll hinterlässt? Die Schwächsten der Gesellschaft, alte und kranke Menschen, sind maximal gefährdet. Da kann man als Bürger erwarten und verlangen, dass eine Regierung mit Umsicht, ohne Panik, aber mit dem notwendigen Blick für die tatsächlichen Gegebenheiten wie auch Risiken reagiert. Präventivmaßnahmen zeigen sich nicht durch ein lapidares "Wir sind erschrocken, zutiefst betroffen und müssen zusammenstehen" – das hört man oft genug. Hier sind Macher und Politiker gefordert, die unverzüglich handeln. Auch wenn es schmerzt oder unpopulär ist. Die Bevölkerung hat ein Recht darauf, dass zum Beispiel Flughäfen für Flüge aus Coronavirus-Krisenregionen geschlossen werden. Jetzt – nicht morgen, nicht übermorgen oder in fünf Wochen.

Jetzt ist die Zeit zu handeln.

(ce/Hürriyet.de)

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