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Cybermobbing großes Thema beim Weißen Ring

27.5.2019 0:48 Uhr

Die Opferhilfsorganisation Weißer Ring plant, einmal im Jahr ein sogenanntes Opfer-Lagebild zu erstellen. Wichtiges Thema wird dabei das Mobbing in den Social Media, das sogenannte Cybermobbing werden. Dieser Bereich soll laut Weißem Ring ein Schwerpunktthema werden, da es vor allen Dingen Jugendliche betrifft, die zu Opfern werden. Beim Weißen Ring geht es, anders als bei den Kriminalstatistiken, nicht um die Täter, sondern um eine Abbildung der Opfer. Schon im Herbst 2019 könne der erste Lagebericht fertig sein.

Ein besonderes Augenmerk richtet der Weiße Rind auf das Mobbing in Sozialen Netzwerken. Es betrifft nach Einschätzung Zierckes insbesondere junge Menschen zwischen 12 und 19 Jahren. "Das ist ein ganz großes Thema, das bis zum Suizid gehen kann", sagte Jörg Ziercke. Solche Fälle gebe es leider auch hierzulande. Cybermobbing sei mittlerweile ein Schwerpunkt der Präventionsarbeit des Weißen Rings.

Der Weiße Ring geht gezielt in die Schulen

Möglichst junge Ehrenamtliche gingen für die Opferhilfsorganisation gezielt in Schulen oder zu Elternversammlungen, um solchen Fällen vorzubeugen - "aber immer in Begleitung von Lehrern", erklärte der frühere Präsident des Bundeskriminalamts. "Denn sie können ja nicht wissen, ob gerade in der Klasse, in der sie einen Vortrag halten, gerade massive Fälle von Mobbing stattfinden."

Dabei sei es nicht Aufgabe des Weißen Rings, psychologische Ratschläge zu erteilen, sagte Ziercke, der seit September 2018 Chef der Opferhilfsorganisation ist. Man könne nur sensibilisieren und Wege aufzeigen, wie Betroffene Hilfe finden. Etwa dass sie sich an Vertrauenslehrer oder den Weißen Ring und dessen Netzwerkpartner wie das Projekt Juuuport, das sich auf Hilfsangebote für digital gemobbte junge Menschen spezialisiert hat, wenden sollten.

Opferschutzbeauftragte in allen Bundesländern gefordert

"Man muss erkennen, dass man einen solchen Mobbing-Fall nicht alleine lösen kann", sagte Ziercke. Viele schämten sich, von der eigenen Notlage zu erzählen. Das Wissen, dass es anderen auch so ergeht, könne Kraft geben, eine Anzeige zu erstatten. "Wer glaubt, er könne das alles selbst bewältigen, der hat die falsche Karte gezogen."

Ziercke, der von 2004 bis 2014 Präsident des Bundeskriminalamts war, wünscht sich zudem in allen Bundesländern Opferschutzbeauftragte. "Das würden wir sehr begrüßen, da sehen wir überhaupt keine Konkurrenz drin", sagte er. Der Beauftragte habe - je nachdem, wo er im jeweiligen Land angesiedelt sei - einen direkten Zugang zur Regierung, einem Ministerium oder dem Parlament. "Er kann Multiplikator sein für die Bedürfnisse, die Opfer haben, wenn es um Gesetzgebung geht oder um politische Beratung." Dafür müssten die Beauftragten dann aber auch angemessen ausgestattet sein. Bislang gebe es solche Beauftragte nur in einigen Ländern.

(ce/dpa)