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​Antalya: Türkei-Urlaub storniert – Touristen am Boden zerstört

30.6.2020 18:43 Uhr

Es hört sich so einfach an: Ihre Urlaubsreise muss storniert werden. Doch was richtet das in den Menschen an, die sich teils seit Monaten oder gar Jahren darauf freuen, in den Urlaub zu fahren, ihre Familien zu sehen und einfach nach der harten Covid-19-Zeit in Antalya in der Türkei zu entspannen? Hürriyet.de hat mit Betroffenen gesprochen und versucht, sich ein Bild davon zu machen, was in den Menschen vorgeht.

Nehmen wir zuerst das Beispiel von Axel Wenig und seiner Familie. Herr Wenig ist seit Jahren stets nach Antalya gereist – und das nicht nur, weil er dort urlauben möchte. Herr Wenig und seine Frau wie auch die 17-jährige Tochter tun aktiv etwas vor Ort: Sie helfen der Tierhilfe Antalya e. V., die sich dort um liebvoll um Straßentiere kümmern. Und bei den Wenigs könnte man meinen, die Welt habe sich gegen sie verschworen. Zuerst wurde eine Urlaubsreise vor der Corona-Krise storniert, weil der Reiseveranstalter Thomas Cook die Pforten schloss. Und danach kam zweimal eine Absage wegen der Corona-Krise. Insgesamt sind es rund 2000 Euro, auf denen die Familie derzeit sitzt und die erstattet werden müssen. Herr Wenig sagte, dass es natürlich gerade die 17-jährige Tochter hart getroffen habe, dass die Urlaube storniert wurden und dass nach seiner Meinung politische Motivation dahinter stecken könnte: "Wir sind alle am Boden zerstört. Und auch in Antalya wird das mit Trauer beobachtet, denn wir hatten geplant, Futterspenden für die Tiere mitzunehmen. In meinen Augen stecken politische Überlegungen dahinter und man will, dass das Geld der Touristen in der EU bleibt."

Herr Wenig in Antalya mit Straßenhunden

Auch während seine Reisen storniert wurden, stand Herr Wenig mit der Türkei zweimal die Woche mindestens in Kontakt – mit der Tierhilfe Antalya, die übrigens noch händeringend nach Futterpaten sucht. Herr Wenig: "Was uns berichtet wurde, sind die Bedingungen in und um Antalya optimal. Die Versorgung und auch der Umgang der Leute mit dem Virus sind vorbildlich. Warum werden dann unsere Reisen storniert und warum warten wir auf unser Geld?"

Italien oder Spanien? - Keine Alternative zur Türkei

Nicht minder dramatisch ist der Situation der Userin Cansu und ihrer Familie. Hier sollte der Urlaub schon vorbei sein und es wäre nach zehn Jahren der erste Aufenthalt in der Türkei gewesen. Da schlug die Absage der Pauschalreise auch wie eine Bombe ein. Ihr Lebensgefährte und die beiden Kinder von zwei und vier Jahren hatten sich auf den Urlaub gefreut, für den sie gespart hatten. Hier kam die Absage per Mail von FTI und Sonnenklar. Cansu wollte mit der Familie in den wohlverdienten Urlaub, ausspannen, der Familie die Kinder zeigen und an der Hochzeit der Cousine teilnehmen – die nun auch auf September verschoben wurde. Man hatte zwar mit der Absage – Buchung erfolgte im Februar – gerechnet, aber als sie dann eintrudelte, saß die Enttäuschung tief. "Wir hatten immer noch eine leise Hoffnung, es könnte doch klappen und dann trifft es einen schon hart, wenn das abgesagt wird. Gerade ältere Kinder fragen dann auch nach, wie oft man noch bis zum Urlaub schlafen muss. Wie erkläre ich, dass es durch eine Krankheit nicht geht? Schwer. Nun haben wir die Hoffnung, dass wir im September reisen können und zur Hochzeit kommen. Nach zehn Jahren erstmals wieder in die Türkei – ja, wir haben uns alle riesig gefreut. Bis dann die Stornierung per Mail kam."

Das fällt für viele Menschen aus

Umso ärgerlicher ist zu sehen, dass man theoretisch nach Italien oder Spanien reisen darf, was aber für viele Reisende kein Thema ist. Das gilt auch für die Familie Mester, die nun im Sauerland bleiben werden. Da kam das Reisestorno via Lufthansa. Es war ein langer Weg der Planung und dann, als die Mail eintraf, wie ein kalter Eimer Wasser, mit dem man übergossen wird. Auch hier stehen Kinder mit dahinter, die natürlich wissen wollen, wieso der geplante und besprochene Urlaub in der Türkei nun ins Wasser fällt, wenn man doch in andere Länder reisen darf. "Es war einfach enttäuschend, dass eine so lange Planung einfach so per Mail abgehakt wird. Wir mussten das lange vorplanen und koordinieren, um jetzt vor dem Nichts in Sachen Urlaub zu stehen. Wir wollten unbedingt nach Bodrum reisen und sind nicht bereit, nun unseren Urlaub in Italien oder so zu verbringen. Zum Glück haben wir es hier im Sauerland ländlich und Garten, so dass der Urlaub nicht komplett ausfällt."

Tiefe Enttäuschung bei Touristen aus Deutschland

Extrem bitter ist die Absage auch für Nadine Willeführ. Ihre herzkranke Tochter ist 3,5 Jahre alt und das Seeklima, so die Ärzte, täte ihr gut. Damit geht es regelmäßig in die Türkei – auch davor schon und das seit rund 15 Jahren. Am 30. Juni sollte die Reise starten, die über ein Reisebüro gebucht war. Die Stornierung schlug auch bei Frau Willeführ ein wie eine Bombe. "Wir hatten uns so auf den Urlaub gefreut und dann kommt zwei Wochen vor Abflug die Stornierung. Und das, wo wir hören und lesen, wie gut in der Türkei mit dem Virus umgangen wird. Wir verstehen das nicht mehr. Was soll das?" Zumindest hat Frau Willeführ den Vorteil, dass vom Reisebüro zeitnah die Reisekosten ersetzt werden sollen.

Hier wäre noch so viel Platz

Ganz gleich, wen man fragt – ob Deutsche, die in der Türkei Urlaub machen wollten oder türkischstämmige Menschen, die Verwandte und Freunde besuchen wollten – die Enttäuschung und das Unverständnis sitzen tief. Hinzu kommt der Ärger, dass man seinem Geld hinterherrennen muss und nicht weiß, ob man überhaupt in diesem Jahr in den Urlaub kann. Die Corona-Krise hat tiefe Spuren lassen – gerade auch bei den Menschen, die hart gearbeitet haben und jetzt einfach nur entspannen wollten und das nun nicht können.

(ce)

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